mein-berlin.jpg

 

Ein Hit-Jubiläum mit gemischten Gefühlen

Er ist ein Urgestein des Deutschrocks, mit allen Ecken und Kanten.

Udo Lindenberg - Foto Tine AckeAls einer von ganz wenigen West-Musikern machte sich Udo Lindenberg, der 1946 in West-Westfalen geboren wurde, öffentlich Gedanken über die östlichen Landesteile.

Dass er dies ganz explizit und neugierig in Songs tat, auch wenn er selbst 500 km westlich von Berlin in Gronau aufwuchs, nur wenige hundert Meter von der holländischen Grenze (Zufall?) - schlichtweg aus Interesse am „anderen“ Deutschland – dieser Fakt brachte ihm ewige Sympathie in weiten Teilen der ostdeutschen Bevölkerung ein.

 

 

Von Gabi Blitz zu Egon Krenz in einem (Sonder)zug

Im Februar 1983 veröffentlichte er die legendäre Hitsingle „Sonderzug nach Pankow“, die Erich Honecker zum lockeren Umgang mit Rockmusik aufforderte und in der sich Udo quasi selbst in den „Lampenladen“ einlud, wo im „Kessel Buntes“ 1972-92 eifrig meist seichtem Schlager und Unterhaltung von Fuchs & Elster bis Herricht & Preil gefrönt wurde.

Der Inhalt des „Sonderzug“-Liedes wurde schnell in beiden Teilen Deutschlands zum musikalischen Allgemeinwissen. Bereits 4 Jahre zuvor äußerte sich Lindenberg im Interview mit dem Sender Freies Berlin (SFB) dazu, in Ostberlin auftreten zu wollen. 1983 rumorte es nun tatsächlich hinter den Kulissen der DDR, und nur wenige Monate nach dem Erscheinen der platte im Februar lud der spätere Staatsratsvorsitzende Egon Krenz den von vielen Funktionären verachteten Lindenberg in die „Höhle des Löwen“ – den Palast der Republik ein, wo er am 23. Oktober 83 zum ersten und einzigen Mal auftrat.

Ein gekrampfter Akt der Staatsführung, lockere Souveränität vorzuheucheln, um doch in der Tasche schon das Rückfahrticket für Lindenberg zu haben – Zuckerbrot und Peitsche.

Eine Tour durch die DDR wurde in der Konzertsaison 83/84 sowohl Lindenberg als auch der bereits damals berühmten Kölner Gruppe BAP verweigert. Beide Bands mussten bis nach der Wende auf Auftritte warten.

Durchmischung der Lieder-Ansätze

Die Lieder und Alben von Udo Lindenberg blieben durch die Jahrzehnte bedeutsames, preisgekröntes Liedgut der deutschen Musik-Sprache. Seit Januar 2011 gibt es am Berliner Potsdamer Platz ein Musical mit dem Titel „Hinterm Horizont“, das in gigantischem Maße durch die Hauptstadt beworben wird.

Die sehr überschaubare Story des Musicals ist ungefähr die vom „Sonderzug nach Pankow“ und der verhinderten Liebe zum 17-jährigen FDJ Mädchen aus Ost-Berlin.

Benutzt wird jedoch im Titel wie auch in der Haupt-Melodie des glamourösen Bühnenstücks ein weiterer Hit von Lindenberg, nämlich der berühmte „Horizont“, hinter dem es „immer weiter“ geht – als Mauer-Symbol.

Das Lied – was offenbar keinen stört – hatte mit Ost und West aber überhaupt gar nichts zu tun.

Für viele ist „Horizont“ eine ruhige Ballade von zwei Menschen, deren Liebe durch schwierige Phasen geht. Tatsächlich jedoch wissen Fans mehr. Vor 25 Jahren starb die enge Gefährtin und Sekretärin von Lindenberg, Gabi Blitz. Ihr widmete Udo wenige Monate später den Song. So oft hörte man die Worte, und so bedeutsam wird da die 5. Zeile auf einmal.

Wir waren zwei Detektive, die Hüte tief im Gesicht.
Alle Straßen endlos,
Barrikaden gab´s für uns doch nicht.
Du und ich das war einfach unschlagbar,
ein Paar wie Blitz und Donner.
Und immer nur auf brennend heißer Spur

Einen Tag vor Himmelfahrt 1986 (30. Mai) starb Gabi Blitz – eine freche Blondine mit Kurzhaarfrisur – an einer Überdosis Tabletten und Alkohol. Vom Lied ausgehend, waren es demnach mehr als nur „dunkle Wolken“ am Horizont, die beide nicht kommen sahen. Offenbar wollte Udo seiner Freundin einen eher ruhigen Tribut zollen und sprach in den Jahren danach fast nie öffentlich über Gabi Blitz.

Das Team von mein-berlin gedenkt jedenfalls mit lächelnden Augen der Udo-Gefährtin.