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Humoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1854. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Wenn Du Dich zur Mittagzeit aus dem Bette hervorgemacht, so setze Dich zum warmen Ofen und ruhe ein wenig aus. Denn viel Schlafen macht matt und marode. Spürst Du aber dennoch etwas Kälte in Deinen Gliedern, so genieße eine bis zwei Tassen starken schwarzen Rum mit Kaffee und zwei bis vier Pfund rohen Schinken, den Du aber Niemand zeigen darfst, sondern unter Pfeffer verborgen, was gut für die Zahnschmerzen. Dann kleide Dich langsam und bedächtig an, denn schnell in die Hosen fahren, macht sie platzen.Kladderadatsch 1854

namentlich wie wir es in Berlin zu trinken bekommen, ist unabsehbar. Dieses nahrhafte und gesunde Gebräu mehrt die menschlichen Kräfte, gibt Fleisch und Blut, erhellt den Verstand, gibt dem Charakter Zähigkeit und Festigkeit, begründet Familienglück und Wohlfahrt, macht zum Guten geneigt und führt schneller zum Ende. Alle Männer von einiger Bedeutung waren nicht bloß Biertrinker sondern Bayrische. Den Wein dagegen verschmähten sie zum Teil ganz, zum Teil stellenweise. So erzählt man sich vom Kaiser Napoleon, er habe in Grüneberg schon nach dem ersten ihm dargereichten Glase geäußert: Lieber noch einmal nach Moskau zurück, als ein Achtel von dieser Sorte. Auch Goethe trank während seiner Wanderjahre manches Stehseidel und wurde 82 Jahre alt. Schiller sang gewöhnlich schon nach dem ersten Schnitte das bekannte Lied:

Bairisch tranken alle Wesen

An den Brüsten der Natur! u. s. w.

So lassen sich tausend Züge erzählen, aber es ist schon spät und ich muss zu Wallmüller.

Liebich von „Jietzen.“

 

Singer Vienna Teng-foto by Kellie KanoVienna Teng encourages, excites and attracts international music fans. The US singer and songwriter Vienna Teng has already performed at various stages, including the one of David Letterman. Even in Europe and the important music market Germany, Vienna Teng has completed several successful tours. This summer, we do not only see her in the States, but also in Hannover, Cologne and Kassel.

Aus: Handbuch für Bierbrauer. Eine wissenschaftlich-praktische Anleitung zum Bierbrauen im ganzen Umfang des Gewerbes. P. Müller (Bierbrauermeister). 1854

Das Berliner Weißbier wird mehr im Sommer als im Winter gebraut; es ist ein durstlöschendes Getränk, blass von Farbe, ohne die vollkommenste Klarheit zu besitzen, und bis jetzt noch das Lieblingsbier der Berliner.

Es wird diese Biersorte aus fünf Teilen Weizenmalz und einem Teil Gerstenmalz erzeugt und dazu nur ein ganz geringer Zusatz von Hopfen verwendet; aber es tritt uns hier, wenn wir das dabei einzuhaltende Verfahren betrachten, die gewiss eigentümliche Erscheinung entgegen, welche darin besteht, dass dieses Bier nicht gekocht wird; sondern es wird nur in einem kleinen Teil der Würze der Hopfen abgesotten, diese Abkochung noch während des Maischprozesses wieder mit der Maische vermischt, unter Zubringung der Nachwürze das Ganze abgekühlt und in Gährung versetzt.

Aus: Für und wider die Frauen. Vierzehn Briefe von Fanny Lewald. 1870

Achter Brief. Berlin, Juni 1869.


Es sind nun sechs Monate her, dass man hier in Berlin das erste Asyl für obdachlose Frauen errichtet hat, und die Sache ist so einfach und so zweckmäßig als möglich angefangen worden. Das Komitee, welches sich diesem guten Weck unterzog, hatte nur über geringe Mittel zu verfügen, man konnte also nicht daran denken, ein eigenes Haus für das Asyl zu erwerben, sondern musste froh sein, dass man in dem alten Gebäuden ein Unterkommen fand, welche, an der Ecke der Dorotheenstraße zunächst der Weidendammerbrücke, gelegen, bis dahin, wie ich glaube, zu Artillerie-Werkstätten benutzt worden waren.