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Feckerts erste Arbeiten gefielen, er fand Gönner, den förderndsten in Louis Ravené. Es folgten Jahre des Glücks, d. h. solche, die mit emsiger und lohnender Arbeit gefüllt waren, in denen die Aufträge sich rasch folgten. Feckert war als Steinzeichner reproduzierender Künstler und Porträtist. Man hat ihn früh schon mit Mouilleron verglichen. Es gebührt ihm auch in der Tat in der Geschichte der deutschen Lithographie eine ähnliche Stelle, wie Mouilleron in der der französischen. Nur muss man sich Feckerts Kunst in das damalige Berlinische übertragen denken. Er geht weniger auf das Malerische aus, er ist doch allein Zeichner, da aber verlässlich und solide. Mit der heutigen verglichen ist seine Technik von anspruchsloser Einfachheit, aber sie hat persönlichen Charakter, ist voll lebendiger Kraft. In seinem Werk bilden die Bildnisse, besonders die nach der Natur, den künstlerisch wertvollsten Teil. Vielleicht wurde er nur durch den Zufall der Aufträge Porträtist. Aber er wurde es, ein guter zudem. Das ganze Berlin der vierziger und fünfziger Jahre wurde von Feckert auf Stein gezeichnet. Männliche Bildnisse gelingen ihm besser als weibliche, unter den Herrenporträts am besten wieder die bürgerlicher Personen, Kaufleute, Pastoren und die Unbekannten, heute Vergessenen. Denn Feckerts Kunst hat etwas Kleinbürgerliches. Als die Photographie, die, wie man damals meinte, das Leben buchstabengetreuer wiedergab, die Lithographie verdrängte, begannen für Feckert trübe Jahre. Auch als reproduzierende Kunst für die Bücherillustration war die Lithographie entwertet. Mit seiner Kunst wurde auch Feckert vergessen. Ein Lichtblick nach langer harter Zeit war die Ausstellung seiner Lithographien in der Berliner Akademie im Jahre 1892. Einige Jahre später wurde dem greisen Künstler sein gesamtes Werk in besten Abdrücken, das er noch besaß, vom Staat abgekauft. Dieses vorzügliche Feckertwerk ging in den Besitz des Berliner Kupferstichkabinetts über. Durch diesen Ankauf wurden wenigstens die letzten Jahre des freundlichen alten Herrn von Sorge befreit. Der einmal unser bester Steinzeichner war, verdiente den ruhigen Feierabend. Mindestens doch muss ihm unvergessen bleiben, dass er während der Zeit ihrer ersten Blüte die Lithographie in Berlin auf künstlerischer Höhe hielt.