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Bringe aber ja keinen Tropfen Nasses an Deinen Körper, denn solches Waschen und Reiben mit kaltem Wasser schicket sich wohl für abgelebte Wüstlinge die alte Sünderhaut aufzufrischen und luftig zu machen, aber nicht für junge Leute und Kraftkörper. Auch lass kein Barbiermesser an Dich kommen, so Du nicht willst geschnitten sein. Wenn Du Dich binnen zwei bis drei Stunden ankostümieret und ein Pfeiflein geraucht oder vier bis sechs Zigärrlein verpafft, was gut für die Ausdünstung im Zimmer und Luftreinigung, so begib Dich auf die Straßen, zu der Seiten, wo die Sonne recht warm scheint und die Pflastersteine freundlich macht. Wandle aber langsam und ruhig, denn schnell sein hilft nicht zum Himmel, und wer da laufet wird fallen. Wünsche auch Keinem einen schönen Tag oder guten Morgen, denn viel grüßen macht viel danken, und Du sollst für Deine Taten keinen Lohn wollen. Wer aber seinen Hut immer zieht, braucht viel Deckel des Jahres und bedenkt nicht das Ende. Siehst Du aber auf Deinem Wege ein Wirths - Schildlein, oder ein Bierkännlein, oder von denen roten Laternen, so die armen Wirtsleut an ihren Häusern haben, so gehe nicht vorüber, sondern gedenke ein Jeder will leben und das Seinige haben, und ein armer Wein- oder Bierwirt ist auch nur ein Mensch und will essen, trinken und gedeihen und sein Haus bestellen. Also liebe Deinen Nächsten und tritt zu ihm und setze Dich und trinke Dein Krüglein. Wenn es aber leer ist und die Magd will es wieder füllen, blicke nicht scheel und trübsüchtig. Denn Deine Tage sind gezählt und Dein rechtes Auge soll nicht wissen was das linke tut. Sondern bestelle Dir lieber Jauersche Bratwürstlein oder einen Gänsesauer oder eine Schüssel mit Eisbein, denn solche Speis ist glatt und macht den Hamburger Bittern leis hinabgleiten. Du sollst aber nicht hochmütig sein, und Dein Gesicht in die Zeitung stecken, sondern mit der Magd, so Dir das zehnte Krüglein bringet, Demut üben und freundlich sein. Denn Herrenstolz tut nicht gut und Keiner kann wissen, ob er seinen Nebenmenschen nicht brauchen kann. Also sollst Du auch nicht, wenn es dunkel wird die Falten ziehen und an den sündigen Tageserwerb denken, so Du heut verabsäumt hast. Denn wer da scharret und sammelt hinterlistig, dem wird genommen werden, und wird gegeben werden dem, der da wartet und fürchtet. Irdisches Gut aber ist eitel Werk und wer an ihm haftet, wird es verlieren. Also sollst Du nicht hoffährtig Deinen Geldbeutel rausziehen und ihn ausschütten. Denn solches erreget Neid und Missgunst. Sondern es ist noch nicht aller Tage Abend, und was nicht heute geschieht, kann morgen geschehen, und wer da zechet, der wird auch bezahlen. Wandle also ruhig Deines Weges weiter, denn die Welt ist groß, und es giebt noch Viele, die Deiner Hülfe bedürfen. Wenn aber Dein Körper schwer ist, und Deine Beine nicht wollen nach Deinem Herzen, so bedenke, es will Abend werden, und gehe Mahlzeit zu halten und Deine Seele zu lechzen. Denn so der Mensch verkennet das Gute der Erde, wird das Böse ihm folgen und ihn verzehren. Denn die Erde und die Wasser strotzen von Fülle und Reichtum, und der Ochse frisst den Klee, dass sein Beafstük Dir munde, und die Auster das Seekraut, dass Dein Magen wohlgemut werde und nach dem weißen und roten Saft der Traube verlange. Darum schicke Dein Auge nicht trotzig auf den Wirt, so Dir dienet, sondern freue Dich seiner Gaben, da Du nicht weißt, ob Du ihn lohnen kannst. Sind aber noch andere Leut im Saale, die da heiter und freudig sind mit Weiblein und Mägdlein, so sei nicht halsstarrig in Deiner Absonderung, und trete hin Dich zu ihnen zu gesellen. Denn wir sind Alle von Staub und werden zu Asche werden. Und rote Bäcklein und Singen und Lustig sein mit züchtigen Weiblein gefällt den Frommen, netzet die Seele und löset den Pfropf, so der Drath gehalten. Du sollst aber nicht leer stehen lassen die Gläser derer, so Dir geholfen, sondern munteren Auges sein und keinen Ärger finden an vielen Flaschen, damit Dir Dein Weg leicht sei zu Deines Vaters Haus, und Du schlafest den süßen, festen, ruhigen Schlaf der Seligen!