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Aus: Anekdoten, Sittengemälde und Traditionen aus der Preußisch-Brandenburgischen Geschichte. Heft 1. 1790. 1. Sitten und Charakterzüge der alten Preußen und ihrer Nachkommen

Die alten Bewohner Preußens, wir meinen diejenigen, welche einige Jahrhunderte vor und nach Christi Geburt in diesem Lande lebten, waren große, rüstige Leute, mit blauen Augen, rotem Gesichte, ungeschornem Barte, und langen schlichten Haaren, welchem ehrenteils gelb oder rot waren.

Aus: Preußisch-Brandenburgische Miszellen. Beiträge zur Geschichte der Einführung des Christentums in Preußen. Von Emil Metzner. Jahrgang 1804. 11 Band.

Wenn wir dem schönen Geschlechte alle Reihe und Annehmlichkeiten des geselligen Lebens zu danken, haben, so müssen die Sitten einer Nation vorzüglich in den Händen ihrer Regentinnen sein, und ich werde also meinen Versuch über den Charakter, die Sitten und den Geist der Berlinerinnen mit keiner glänzenderen Epoche eröffnen können, als mit jener der ersten Königin von Preußen, Charlotte Sophie, welcher Friedrich der Erste selbst eine Krone aussetzte, die sie bei dem angeborenen Adel ihres Geistes und Herzens doppelt verdient hatte. Mit ihr, und durch sie begann die Morgenröte am Preußisch-Brandenburgischen Horizont, welche den Künsten und Wissenschaften, der Bildung und Veredlung beider Geschlechter das merkwürdigste Jahrhundert verkündete.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Wie in jeder Hinsicht für die armen und notleidenden Bewohner Berlins reichliche Sorge getragen wird, so auch in Hinsicht der Kranken. Die Charitée ist die bedeutendste Anstalt dieser Art, doch nicht die einzige, denn außer ihr gibt es noch mehrere Hospitäler, das Klinikum, ein anderes Klinikum für Augenkranke etc.

Die Charitée besteht aus vier verschiedenen Abteilungen, und in allen werden arme Kranke der Stadt unentgeltlich, andere aber gegen eine sehr geringe Pension, aufgenommen.

Die erste Abteilung ist für Kranke und Alte bestimmt, die zweite für arme Schwangere, die dritte für solche, welche mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, besonders für die Lohndirnen Berlins, welche an der Lustseuche leiden, und die vierte für Wahnsinnige aller Abstufungen.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Eigentliche Volksfeste, d. h. solche, die einen ganz eigentümlichen, nationalen Charakter tragen, kennt der Berliner nicht, und zwar wohl aus dem Grunde, weil sein Charakter zu wenig Hervorstechendes hat.

Was sich allenfalls hierher rechnen ließe, sind die bei Charlottenburg bereits erwähnten Wanderungen zu dem Charlottenburger Schlossgarten, am Sterbetage der Königin Louise, der Geburtstag des Königs (der 3te August) und vor allen der Stralauer Fischzug, und dieser um so mehr, da er eigentlich nur zur Ergötzlichkeit der niedern Stande gehört. Denn wer sich von Höhern, Vornehmern, dorthin verirrt, der kam doch nur in der Absicht, zu schauen, zu beobachten, nicht aber, sich selbst ein Vergnügen zu machen, in dem Sinne, wie der Berliner dies hier nimmt. Doch hiervon zuletzt.

KarnevalAus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

In Berlin wird zwar ein Karneval gefeiert, aber man bemerkt ihn kaum, denn er greift zu wenig in das eigentliche Volksleben ein, sondern berührt fast nur die höhern Kreise der Gesellschaft. Hier ist aber auch während dieser vier Wochen Alles in einer solchen steten Bewegung, in einem so immerwährenden Drängen und Treiben, dass man unzählige: Gott Lob's! vernimmt, wenn der Aschermittwoch endlich den ewigen Gesellschaften, Bällen, Assembleen etc., ein Ende macht.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Zu keiner Zeit, selbst nicht während des Karnevals, sieht man in Berlin ein regeres Leben, ein geschäftigeres Treiben, als um die Weihnachtszeit.

Vierzehn Tage vor dem heiligen Abende fängt der Weihnachtsmarkt an, und der Schlossplatz und die breite Straße sind hier ganz mit Buden besetzt. Während dieser Zeit sind die Linden etwas verödet, denn die Sitte bringt es mit sich, auf dem Weihnachtsmarkte spazieren zu gehen, die ausgestellten Sachen zu sehen, und nebenbei selbst gesehen zu werden. Besonders besucht ist der Hauptgang, die breite Straße hinauf, und keine elegante Dame wird es versäumen, sich bei schönem Wetter hier wenigstens einige Male, wenn auch nicht täglich, zu zeigen.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Einer der Hauptvergnügungs- und Erholungsorte der Berliner von allen Ständen, und ein Sommeraufenthalt des Königs, ist Charlottenburg, eine kleine Meile von Berlin entfernt, und durch einen herrlichen, schattigen Weg mit dieser Residenz verbunden.

Viele Familien Berlins mieten sich im Sommer kleine Quartiere in dieser Tochterstadt, und bilden sich bei den mannigfachen Entbehrungen, die ihnen hieraus erwachsen, ein, sie lebten auf dem Lande. Übrigens ist aber Charlottenburg sehr dazu geeignet, zu einem Sommeraufenthalte einzuladen. Eine schöne, schattige Allee von vier Reihen großer Linden und Kastanien zieht sich durch die ganze, ansehnlich lange Hauptstraße des Ortes, auf der an schönen Tagen Hunderte von Wagen, Reitern und Fußgängern das angenehmste Schauspiel bieten.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

So groß auch die Gastfreundschaft der Berliner im Allgemeinen ist, so wenig sollte man dies vermuten, besucht man irgend einen öffentlichen Ort. Tritt man in ein Wein- oder Kaffeehaus, oder zu einem Konditor, deren Zahl in Berlin legio ist, so sitzen die bereits anwesenden Gäste von einander gesondert, wo möglich Jeder an einem eigenen Tische, und blicken entweder in die Zeitungen und Tageblätter, oder verzehren wortlos das Bestellte. So lange noch ein Tisch frei ist, wird man gewiss äußerst selten sehen, dass sich ein wirklicher Berliner zu einem der Gäste setzt.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

(Vertrauter Brief an einen Freund.)

Die Frauen Berlins soll ich dir schildern? - Wahrlich, du forderst nichts Kleines, aber ich bin dein Freund, und erfülle daher gern dein Gesuch, so weit es nämlich in meinen schwachen Kräften steht. Nur fürchte ich, du wirst den Willen für die Tat nehmen müssen, denn wer vermag, Charakterschilderungen zu entwerfen, wo es eigentlich keinen Charakter gibt?

Verzeihung, meine schönen Berlinerinnen! Ich will damit keineswegs sagen, dass Sie ganz charakterlos wären. Gott behüte mich vor einer solchen Sünde; allein der National-Charakter, der sich in gewissen, stets wiederkehrenden Formen bei andern Hauptstädterinnen ausspricht, mangelt Ihnen. Wollte, man das schöne Geschlecht Berlins genügend beschreiben, täte es fast Not, die Biographie jeder einzelnen Schönheit zu entwerfen. Da ich dies nun aber weder will, noch kann, musst du dir an einigen allgemeinen Bemerkungen genügen lassen.