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Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Schade lehrte, dass die alte lutherische Beichte eine Unsitte sei, es komme nicht auf den Gebrauch des Beichtens, auf die Erlegung des Beichtgroschens, sondern darauf an, dass Jeder, der das heilige Abendmahl nehmen wolle, sich durch Rechtschaffenheit des Herzens Vergebung seiner Sünden erkaufe. Indem Schade von diesem Grundsatz ausging, schaffte er für seine Person die besondere Beichte ab und hielt nur vor der Kommunion eine allgemeine Beichte, indem er seine Zuhörer zur Tugend und Frömmigkeit ermahnte.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Wir wollen von denjenigen Gelehrten, welche zur Zeit Friedrichs in Berlin sich einen Namen machten, hier nur einige erwähnen, den berühmten Ezechiel Spanheim, den Altertumsforscher Laurenz Beger und vor allen andern den Historiker Samuel v. Puffendorf.

Aus: Anekdoten, Sittengemälde und Traditionen aus der Preußisch-Brandenburgischen Geschichte. Heft 1. 1790. 1. Sitten und Charakterzüge der alten Preußen und ihrer Nachkommen

Die Preußen glaubten ehedem, dass es ein übles Zeichen sei, wenn ihnen, indem sie ausgingen, ein kranker Mensch, oder ein altes Weib begegnete. Geschah dies, wenn sie aus einem Kruge oder Wirtshause kamen, so gingen sie wieder zurück und tranken noch einen halben Krug Bier.

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In Preußen wurden in alten Zeiten 4 vorzüglich große Eichen heiligst verehret. Unter diesem war die aller stärkste die bei Welau. Diese war nach der Beschreibung eines alten Geographen, inwendig hohl und so weit, dass man mit einem großen Gaule nicht allein bequem hineintreten, und sich auch darin herumtaumeln konnte. Markgraf Albrecht der Ältere und Markgraf Albrecht Friedrich sollen dies wirklich getan haben. Sie ist, als sie noch grün war und Borken hatte, unten bei der Erde 27 Ellen im Umfange gewesen. Hernach ist sie verdorret und umgefallen, welches durch das viele Einschneiden von Namen und Jahreszahlen verursacht worden sein soll.

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Wenn es donnerte pflegte der Bauer eine Seite Speck auf die Schulter zu nehmen, trug sie mit entblößtem Haupte auf seinem Acker umher und schrie dabei:

„O Gott Percuan! schlage nicht in das Meine, ich will dir diese Seite Speck schenken.“


Wenn aber das Gewitter glücklich vorüber ging, brachte er die Seite Speck wieder nach Hause und verzehrte sie ruhig mit seiner Familie. Sehr lustig! Die guten Leute mussten wunderliche Begriffe von ihren Gottheiten gehabt haben — aber setzt statt Percuan das höchste Wesen und statt der Seite Speck ein anderes Gelübde — und sagt, ob Ihr nicht schon selbst einen Pendant hiezu gemacht habt?

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Zu den auffallendsten Phänomenen des heidnischen Aberglaubens, von denen sich auch unter Christen noch lange viele Spuren gefunden haben, gehören die Ordelia und Sortilegia. Auch in Preußen waren dergleichen gewöhnlich. Eine besondere Art derselben war das Weissagen aus geschmolzenem Wachst. Es gab nämlich Leute, welche geschmolzenes Wachs in Wasser zu gießen pflegten, und aus den Figuren, die es auf dem Wasser bildete, zukünftige Dinge vorhersagten.

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Die Idee, die Gottheit durch Opfer zu versöhnen, hat sich unter allen Völkern verbreitet. Die alten Preußen brachten der Gottheit zuweilen ein sehr großes Opfer dar, indem sie ihre eignen ersten Priester sich verbrennen ließen. Dies geschah auf folgende Weise: zuerst ließ ein solcher Oberpriester, der aber gemeiniglich schon sehr alt war, das Volk durch die Waidelotten oder Sigonotten, geringern Arten von Priestern, zusammenrufen.

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Wenn ein naher Anverwandter betrauert wurde; so wurde unter andern Zeremonien, den 3ten, 6ten, 9ten oder 14ten Tag nach dem Begräbnis ein großes Gastmahl gegeben. Bei demselben saßen die Männer, Weiber, jede besonders; und zwar anfangs so still, als wenn sie stumm waren. Niemand hatte ein Messer bei sich.

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Ägypten - Ramses II. erstürmt die syrische Festung KadeschIn Ägypten brachte man die jungen Knaben um. In Preußen befahlen einst die Galinder, da sie sich im Lande sehr vermehret hatten, den Wehemüttern, alle junge Mädchen zu töten und nur die Knaben am Leben zu lassen. In Ägypten gab es einige mitleidige Wehemütter, in Preußen waren es alle; sie ließen auch die Mädchens am Leben. Aber die Galinder schnitten darauf ihren Weibern die Brüste ab, damit sie keine Kinder mehr saugen konnten. Und unsern Damen wäre es zu verdenken, dass sie die gemeine Gewohnheit, ihre Kinder zu stillen, längst abgeschafft haben? Wer sieht uns vor einem ähnliche Gesetze?

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Der Ehebruch wurde bei den alten Preußen sehr hart geahndet. Sie verbrannten die Ehebrecher und zerstreuten ihre Asche auf dem Wege. Die Kinder aber die aus dem Ehebruch gezeugt waren, wurden zu keinem priesterlichen Amte gelassen. Jetzt gibt es keine Ehebrecherin mehr, wenigstens findet man keine — verbrennen.

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Mit der Trauer um verstorbene Ehegatten hielten es die alten Preußen wie wir; wenn nun nämlich einem Manne sein Weib starb, so trauerte er volle 8 Tage um dasselbe; ja zuweilen wurde ihm sogleich am andern Tage wieder ein Mädchen zugeführt, das er heiratete. Wenn aber eine Frau ihren Mann durch den Tod verlor, und sie keine Kinder von ihm hatte; so gingen junge Mannspersonen so lange zu ihr, bis sie — ein Kind bekam; dann wurde sie, wie sich die Zeiten nicht ändern! — eine Waidelotte oder Priesterin, und durfte sich keinem Manne mehr nahen, oder sie lief Gefahr, verbrannt zu werden.

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In Ansehung des Heiratens und des Ehestandes hatten die alten Preußen ganz besondere Grundsätze und Gewohnheiten. Sie nahmen ihre Weiber nicht nach erhaltener Erlaubnis ihrer nächsten Anverwandten, sondern entführten sie. *) Zu diesem Geschäfte wurden gemeiniglich zwei Freunde des Bräutigams genommen, und erst dann, wenn die Braut entführt war, wurde bei den Ältern um sie geworben.