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Aus: Berliner Bilder - Hundert Momentaufnahmen, von Johannes Trojan (1837-1915) deutscher Schriftsteller. 1903

Ist auf der Berliner Stadtbahn schon einmal ein weibliches Wesen mit einer Handarbeit beschäftigt gesehen worden? Ja, ich habe schon einmal in der dritten Klasse, die von Leuten meines Standes meist zum Fahren benutzt wird, eine strickende Frau gesehen, aber dies eine Mal nur, und das ist schon lange her. Das Stricken ist ja überhaupt als Handarbeit mehr und mehr abgekommen, seit Maschinen dafür erfunden sind, die sehr akkurat arbeiten und nicht leicht eine Masche fallen lassen. Es ist mir im vorigen Sommer aufgefallen, dass von den vielen Fischfrauen, die morgens auf der ,,Zufriedenheit“ - so heißt der kleine Dampfer - von der Nehrung nach Danzig fahren, nur wenige noch strickten. Die meisten waren untätig bis auf ihre Zungen, die ebenso auch die Strickenden in unaufhörlicher Bewegung erhielten. Am Ende werden nur noch die Schäfer stricken, bis auch diese so gebildet geworden sind, dass sie das Schafhüten für amüsanter halten, wenn sie dabei einen modernen Roman lesen. . . .[Vollständiger Beitrag auf Lexikus.de]

Aus: Berliner Bilder - Hundert Momentaufnahmen, von Johannes Trojan (1837-1915) deutscher Schriftsteller. 1903

Nur für Herrschaften! ruft gewöhnlich dem Eintretenden ein Anschlag an der Vordertreppe unserer Häuser in Berlin West. zu. Es macht mich jedes mal verstimmt, wenn ich das lese. Es hat etwas Protziges und Aufreizendes an sich, und ich persönlich mache mir aus dem Titel „Herrschaft“ gar nichts. Aber in Berlin ist das Wort „herrschaftlich“ sehr beliebt; ,,herrschaftliche Wohnungen“ werden vorzugsweise solche genannt, die mit einem Schein von Vornehmheit ausgestattet sind, mit Marmor aus Stuck, mit Holzgetäfel aus Papier und anderer lieblicher Augenverblendung. Das stolze Wort „herrschaftlich“ genügt nicht einmal, man hat davon eine greuliche Steigerung ,,hochherrschaftlich“ gebildet, die in das Gebiet des groben Sprachunfugs fällt. . . .[Vollständiger Beitrag auf www.Lexikus.de]

 

Berliner Abendblätter. 4tes Blatt. Den 4ten Oktober 1810. Herausgegeben von Heinrich von Kleist.
Ein Berliner Stadtsoldat hatte vor gar nicht langer Zeit, ohne Erlaubnis seines Offiziers, die Stadtwache verlassen. Nach einem uralten Gesetz steht auf ein Verbrechen dieser Art, das sonst der Streifereien des Adels wegen, von großer Wichtigkeit war, eigentlich der Tod.

Berliner HöckerinHumoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1851. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Durch den Haufen der draußen harrenden Menschen drängt sich eine Frau in den Saal, rechts und links ihre Umgebung zur Seite stoßend. Die Frau hat ein sehr buntes Umschlagetuch hinten zusammengebunden, zeigt, das sie drei Unterröcke trägt, die in ihrer Zusammenstellung die deutsche National-Kokarde bilden, wenngleich der letzte eigentlich weiß sein müsste, und hat ihrem roten mit vielen Blüten versehenen Gesicht durch ein schwarzes Kopftuch einen sehr unternehmenden Anstrich gegeben, namentlich durch die hin und her flatternden Zipfel des oben auf dem Haupte keck hervortretenden Knotens, der das Sinnbild der Angeklagten zu sein scheint. Hier bin ick, ruft sie mit heiserer Stimme, Dann tritt sie vor die Barre, stemmt die fleischigen Arme in die Seite und will soeben den mit zwei tüchtigen Hauern versehenen Mund öffnen, als sie von dem Richter unterbrochen wird. Er ruft laut: Name!

Berliner BuchhändlerHumoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1851. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Ein Junge, ziemlich zerlumpt gekleidet, tritt vor. Er hat ein keckes Gesicht, das seit langer Zeit nicht mit dem Wasser in Berührung gekommen zu sein scheint, einen bescheidenen, man möchte beinahe sagen, unschuldigen Blick, mit dem er Personen und Gegenstände mustert. Er trägt eine kurze, graue Jacke, aus der er längst herausgewachsen ist, ein Paar Beinkleider, dessen Urfarbe durch die zahlreichen Flicken darauf nicht mehr zu erkennen ist. Seine Füße bekleiden ein Paar schiefgetretene Stiefeln, aus denen die Zehen neugierig hervorgucken. So steht er da, das Bild eines echten Berliner Straßenjungen, eines fliegenden Buchhändlers, hervorgegangen aus den politischen Ereignissen des Jahres 1848. Trotz der vielen Kämpfe, die er mit Polizei und Constabler gehabt, trotz Belagerungszustand und Kriegsgericht, hat er sich bis heute zu erhalten gewusst, kaum aus dem Gefängnis entlassen, hat er sein gewohntes Geschäft wieder angefangen. Er besitzt keine polizeiliche Erlaubnis dazu, und ist neulich wieder beim Handel mit Zeitschriften betroffen worden. Deshalb steht er heut wieder vor den Schranken.

Humoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1851. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Korpulente Berlinerin

Eine korpulente Frau tritt an die Barriere, die das Gericht vom Publikum trennt. Sie ist vierzig und einige Jahre alt, von bedeutendem Umfange, der bei ihrer geringen Größe sie zu einer kugelrunden Gestalt macht. Aus den glänzendroten Backen vermögen ein paar kleine Luchsaugen kaum herausschauen. Auf dem Kopf trägt sie eine hohe Dormeuse mit knallrotem Bande, in der sie einer Klatschrose gleicht. Ein veilchenblauseidner ziemlich verschossener seines hohen Alters wegen in Regenbogenfarben spielender Überrock, ein weißwollenes Umschlagetuch, das vor Alter ergraut ist, sind die speziellsten Teile ihrer Toilette, die der Frau den Anstrich einer gewissen Behäbigkeit gibt. In der rechten Hand trägt sie einen grünen Pompadour mit mächtigem Stahlbügel, ein Stück aus der guten alten Zeit. Mit gemessenem Schritte tritt sie ein und legt die eine ihrer zarten fleischigen Hände dergestalt auf die Barriere, daß diese fast erzittert.

Schlachtermeister PulickeHumoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1854. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Der Schlächtermeister Pulicke ist der Übertretung der für den Fleischverkauf gegebenen Vorschriften angeklagt. Es ist eine vierschrötige Gestalt in dem entsprechenden Kostüm.

Humoristisch-satyrischer Volks-Kalender des Kladderadatsch für 1854. Herausgegeben von D. Kalisch (1820-1872) deutscher Schriftsteller

Berliner Höckerin

Eine echtkörnige Volksfigur tritt mit großer Keckheit in den Saal. Das sonnverbrannte Gesicht, das von einem riesigen Wachstaffethut umschattet wird, die raue, feste, aber heisere Stimme, die riesigen Hände, das große bunte Umschlagetuch, das sich um die unförmige Taille schlingt und sich nach hinten zu in einem gewaltigen Knoten verliert; — wer erkennt nicht schon in dieser Beschreibung die Berliner Höckerin, der Schrecken unserer Hausfrauen, welche ihre Aufgebote wie das höllische Feuer fürchten. Sie ist offenbar keine Fremde in diesem Saale, in ihrem ganzen Auftreten bekundet sich die genaue Lokalkenntnis. Sie tritt mit einer gewissen Zuversicht vor die Schranken und harrt schweigend, die linke Hand in die Seite gestemmt, der kommenden Dinge.

Am 5. Juli 2011 ist es wieder so weit: Die Fashion Week in Berlin startet. Eine knappe Woche dreht sich alles um die kommenden Trends für Frühjahr/Sommer 2012. Designer, Trend-Scouts, Mode-Fans und -journalisten - sie alle werden am 5. Juli die Straße des 17. Juni erobern, um dort die neuesten Kollektionen der verschiedensten Designer zu bewundern.

ein am 8. Juni ausgebranntes Auto in MoabitTrittbrettfahrer des Sozialneids - 14 brennende Autos in einer Nacht. Nein, es ist nicht die sommerliche Hitze, die einen alten BMW oder einen klapprigen Fiat das Fürchten lehrt.

Bereits allein im Monat Mai wurden in Berlin, vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg, Moabit und im Prenzlauer Berg, mehr Autos vorsätzlich in Brand gesteckt bzw. schwer beschädigt als im gesamten letzten Jahr.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Noch immer herrschte im Volk eine dunkle Nacht des Überglaubens und Aberglaubens, welche sich eben erst durch die Schriften einiger trefflicher Männer, von denen wir Thomasius schon erwähnten, aufzuhellen begann.

Der Kampf, den Thomasius gegen den Hexenglauben führte, war zwar nicht fruchtlos, seine Lehre verbreitete sich unter den Gebildeten, aber sie fand nur langsam Eingang in der großen Masse des Volks; diese glaubte nach wie vor an Zauberei und Teufelsspuk.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Philipp Jakob Spener war im Jahre 1635 im Elsaß geboren; er hatte in Straßburg Theologie studiert und im Jahre 1685, nachdem er in Frankfurt am Main Prediger gewesen, einen Ruf als Hofprediger nach Dresden angenommen. In seinen Predigten wendete er sich vielfach tadelnd gegen das unduldsame alte Luthertum und begründete eine neue freisinnigere Richtung, welche seine Gegner, die Wittenberger und Leipziger Theologen, spöttelnd die frömmelnde Lehre, den Pietismus, nannten. Seine Anhänger erhielten den Spottnamen der Pietisten.