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Die DDR-Regierung entschloss sich im Laufe der kommenden Wochen und Monaten, ihre Grenzen auch außerhalb Berlins speziell Richtung BRD enorm zu sichern. Die polizeilichen und geheimdienstlichen Verschärfungen, institutionellen Gründungen und Entwicklungen (Staatssicherheit) der Jahre vorher waren noch hauptsächlich auf innere Unsicherheiten nach dem 17. Juni 1953 zurückzuführen. Nun kam zu der inneren staatlichen Paranoia gegenüber Teilen der eigenen Bevölkerung noch die demographisch berechtigte Angst, dass hunderttausende Bürger die DDR nach Westen verlassen würden, wie es in Größenordnungen seit Staatsgründung 1949 geschah. Nach 1961 erschwerte sich die Einreise in die BRD um ein Vielfaches und war nur wenigen Personen mit Ausnahmegenehmigungen erlaubt, wie wenigen Senioren mit Familienangehörigen im Westen, speziellen Arbeitern oder einer Hand voll Privilegierten wie Katarina Witt, die heute als „typische“ Ost-Frau dargestellt wird.

In diesen Tagen, 21 Jahre nach der Wiedervereinigung, erinnern sich weltweit gesellschaftlich Interessierte an den 50. Jahrestag vom Bau der Mauer, die Straßen zerschnitt, Familien trennte, Freunde isolierte und mehr als deutlich machte, wie die DDR ihren eigenen Bürgern traute.

Während man im ländlichen Bereich der DDR leicht ohne Präsenz, Bedrohung und Vergegenwärtigung der verschärften Trennung leben konnte, so war in Berlin nicht nur die Lebenssituation anders, sondern auch die sichtbare Nähe der grauen, gesperrten, stark bewachten Grenze von Pankow im Norden bis Treptow im Süden unübersehbar.

Was fiel mit dem Symbol?

Obwohl im Artikel 23 des Grundgesetzes eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten angestrebt wurde, waren doch viele widersprüchliche, wechselvolle und vielschichtige Versuche, Anläufe und Rückschritte notwendig, bis es seit Mitte der 80er zu einer klaren Annäherung von BRD und DDR kam.

Der Blick aufeinander war jedoch reichlich uneinheitlich. Dies betraf nicht nur die die zögerlichen diplomatischen Zitterpartien, wo F. J. Strauß oder H. Kohl dem DDR-Oberhaupt Erich Honecker mal ein Kissen weniger auf den Stuhl legten, mal den roten Teppich ausrollten oder verweigerten – denn die DDR war ja eine Diktatur – dann aber wieder Staatsempfänge gaben, Exporte vieler Güter und prima Waffengeschäfte arrangierten. Der unterschiedliche Blick aufeinander, einhergehend mit gefärbten Nachrichten auf beiden Seiten, beeinflusste auch Großteile der Bevölkerung.

Mauer-Reste in BerlinFür Westdeutsche waren „Ostler“ oft verschwommen, wie durch eine Milchglasscheibe erkennbar, wohingegen viele Millionen Bürger im ganzen Ostblock ein wesentlich größeres Wissen über Westeuropa und die USA hatten als umgekehrt. Und wenngleich die Mauer in den Köpfen über die Jahre nach 1989 schmolz wie ein Gletscher – dieses Missverhältnis existiert bis heute, wo 70 % der Westdeutschen noch nie im Osten waren. Unglaublich, eigentlich.

Ostdeutsche kämpften friedlich für mehr Freiheit - nicht Kohl

Dieses Jahr ist nicht nur das Jahr, in dem sich vor allem Berlin auf den 50. Jahrestag des Mauerbaus vorbereitet, sondern ein Jahr, indem kräftig am personifizierten Denkmal der Deutschen Einheit gerüttelt wird, nämlich Helmut Kohl.

Die so genannten „Sachbücher“ vom Sohn Walter Kohl wie auch die H. Schwan-Biographie zur Kanzlergattin Hannelore Kohl lassen, ob sie wollen oder nicht, den egozentrischen, uneinsichtigen und zur Diskussion unfähigen Fels in Europas Brandung – Helmut Kohl – reichlich Moos und Kalk ansetzen.
Es ist eine wichtige historische Frage, was geschehen wäre, wenn an Stelle von Kohl und H. D. Genscher eben Gerhard Stoltenberg, Willy Brandt, Karl Carstens oder Walter Scheel gewesen wären.

Hätte die Deutsche Einheit nicht dennoch ihren Weg genommen? Sind die Bürgerrechtler, die kritischen Bürger und Oppositionellen nicht dennoch seit Mitte der 80er stärker geworden und bauten internationalen Druck auf? Worin liegt wirklich der historische Verdienst vom „ach so weitsichtigen“ Helmut Kohl – der noch kurz vor der Einheit die SPD paranoid als „russischer als die Russen“ bezeichnete und Gorbatschow mit J. Goebbels verglich? Liegt sein Verdienst darin, dass er 1989 nur zufällig da war?

In jedem Fall wuchsen die beiden deutschen Staaten zusammen und straften Frankreich und Großbritannien Lügen, die zu Recht Angst vor einem großen Deutschland äußerten. Der „Journalist“ Wolfgang Herles schrieb zum 15. Jahrestag der Einheit ein polemisches, plattes Buch mit dem Titel „Wir sind kein Volk!“ mit rotem Ampelmännchen auf dem Cover, worin er verbal die Mauer am besten in doppelter Höhe wieder aufbauen wollte. Es kostet heute wenige Cent im Internet.

Die Zeit hat nicht nur gezeigt, dass Menschen wie Herles an der Realität, am Jetzt und Hier vorbei-geifern und besser in Zeitmaschinen Urlaub machen sollten – sondern die Zeit hat gezeigt, dass wir gut miteinander auskommen, als ein Volk!