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Aus: Berliner Bilder - Hundert Momentaufnahmen, von Johannes Trojan (1837-1915) deutscher Schriftsteller. 1903

Es ist die Zeit der häufigen Toaste. Man würde staunen darüber, wenn es ermittelt würde, an wie vielen Stellen von Berlin um diese Zeit an einem einzigen Abend ein Hoch auf die Frauen ausgebracht wird. In manchen Häusern geht es durch alle Stockwerke. In keiner Gesellschaft, in der ein Braten aufgetragen wird, unterbleibt so leicht ein Toast auf die Frauen. Ich rede von Frauen in der alten auch die Fräulein umfassenden Bedeutung des Wortes, die jetzt wieder mehr zu ihrem Recht kommt, wenn auch viele Tafelredner noch es für gebildeter und vornehmer halten, ,,Damen“ zu sagen. Außer diesem allgemeinen Toast auf das ganze schöne Geschlecht wird häufig noch ein Sondertoast auf eine bestimmte Angehörige desselben ausgebracht. Man lässt die Hausfrau leben, die Haustochter auch, zumal wenn sie sich eben verlobt hat. Der Täufling, der eben den Namen Else oder sonst eine schöne Bezeichnung bekommen hat, wird natürlich leben gelassen. Man erinnert sich der Großmutter, ja der Tante sogar, wenn sie anwesend sind, und stößt auf ihr Wohl an. Es kommt in guten Häusern vor, dass ein Hoch auf die Schwiegermutter, die als Logierbesuch aus der Provinz gekommen ist, ausgebracht wird. Nur von einer Frau, die auch im Hause weilt und zu dem Ganzen in ziemlich enger Beziehung steht, ist selten oder nie die Rede. Ich meine die Kochfrau. . . . [Vollständiger Beitrag auf Lexikus.de]