mein-berlin.jpg

Eine solche Neuerung erschien den meisten lutherischen Predigern in Berlin als hoch gefährlich; denn ihre Geldeinnahmen wurden durch dieselbe bedroht. Sie eiferten von den Kanzeln herab gegen Schade und verketzerten ihn als einen geheimen Kalvinisten; es gab große Aufregung in Berlin. Im Publikum wurde Partei für und gegen Schade ergriffen und auch ein anderer Prediger, der allgemein beliebte und hochverehrte Dr. Spener, erklärte sich für Schade, während die Stadtverordneten und Viergewerke mit großer Erbitterung gegen ihn auftraten und sogar den Hof aufforderten, er möge den Irrlehrer bestrafen.

Eine Kommission, welche zur Untersuchung der Sache niedergesetzt wurde, fand wenig zu erinnern und es wurde daher eine Verordnung erlassen, nach der Jeder die Freiheit haben sollte, entweder die althergebrachte Beichte oder die allgemeine Schade'sche Beichte zu gebrauchen.

Eine Flut von Streitschriften erschien in Folge der neuen Lehre und Schade ließ sich jetzt, da er so vielfach angegriffen wurde, ebenfalls dazu hinreißen, den Beichtstuhl in öffentlichen Predigten einen Höllenstuhl, ein Fegefeuer, einen brennenden Satanspfuhl zu nennen und die lutherischen Kirchen, in denen man die alte Beichte beibehielt, mit hässlichen Schimpfworten zu belegen.

Die Aufregung wurde so groß, dass das geistliche Konsistorium sich endlich gezwungen sah, die Versetzung Schades an einen andern Ort zu beschließen. Ehe dies aber Statt haben konnte, starb Schade am 25. Juli 1698. Die Gegner frohlockten; sie regten den Pöbel gegen den Gehassten so sehr auf, dass derselbe bei dem Begräbnis den ärgsten Unfug trieb; er wollte nicht dulden, dass die Leiche auf dem Kirchhof beigesetzt werde, und als dies dennoch geschah, sammelte sich eine große Masse wütenden Volkes, die nur mit Mühe verhindert werden konnte, den Leichnam auszugraben und nach dem Schindanger zu bringen. '

Die Flut der Streitschriften stieg noch nach Schades Tode, der Ton, besonders der von den Lutheranern ausgehenden, teils gegen Schade, teils auch gegen die Reformierten gerichteten, war so gehässig, dass Friedrich den Befehl gab, es sollten künftig alle Handschriften vor dem Druck durchgelesen werden; der Sekretär Fischer wurde als Censor für dieselben angestellt.

Die von Schade angeregte Bewegung innerhalb der lutherischen Kirche hatte eine große Bedeutung; sie war ein Resultat des unter einem Teil der Gebildeten wach werdenden Strebens, sich von der Herrschaft der Form und des Buchstabens loszureißen, eines Strebens, um welches sich besonders zwei bedeutende Männer, Spener und Thomasius, verdient machten.