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Hier Nur einige Worte über die beiden letztern.

Oft geben sich die Eltern, ihre Kinder vor Verführung zu bewahren, alle erdenkliche Mühe, ihnen den Anblick des Lasters zu entziehen, ihnen glühenden Hass gegen dasselbe einzuflößen. Gewiss, sie schlagen einen falschen Weg ein, wenigstens in Hinsicht auf das Laster der Wollust. Sie ist der vorwaltenden tierischen Natur des Menschen so tief eingeprägt, sie zeigt sich oft im gewöhnlichen Leben in so reizenden, verführerischen Farben, dass der Schwache, Unerfahrene, der ihre abschreckenden Seiten nicht kennt, sich nur zu leicht von ihr hinreißen lassen wird, schien sein Hass dagegen auch noch so tief eingewurzelt.

Eben die abschreckenden Seiten des Lasters zeige man ihm, man gestehe ihm ein, dass es Süßigkeiten habe, aber man lasse ihn auch sich selbst von dem Elende überzeugen, das der übermäßige Genuss dieser Süßigkeiten hervorbringt, und dies wird das sicherste Gegengift für das Gift der Wollust sein.

Die weibliche Tugend muss durch feste, unumstößliche Grundsätze gesichert werden, doch diese Grundsatze müssen auf festeren Pfeilern, als dem bloßen, eingeprägten Hasse und Abscheu gegen das Laster beruhen; der Mann hingegen, der sich selbst nicht gegen den Anblick des Lasters in allen reizenden Gestalten sichern kann, er lerne ganz es kennen, und sein richtiger Verstand wird richtig entscheiden.

Wenn der Geschlechtstrieb in dem Jünglinge sich zu regen beginnt, führe sein Vater ihn hierher in die Charitée, zeige ihm die bleichen, aufgedunsenen Gesichter, die tiefliegenden Augen, die fürchterlichen Ausschläge, oder gar die eingefallenen Nasen der Wollustopfer, lasse sie ihre abschreckende Sprache hören, wenn das Übel im Halse seinen Sitz hat, gebe ihm eine Erklärung, die zwar nicht zu genau, aber dennoch genügend sein muss, und der Jüngling wird zurückschaudernder wird den ersten Schritt auf die Bahn des Lasters vermeiden, und er ist gerettet.

Auch die Station der Wahnsinnigen kann, unter vernünftiger Leitung, einen höchst heilsamen Einfluss auf das Gemüt des unverdorbenen Jünglings haben, und ihm zum Talisman werden auf dem rauen Pfade durch das Leben, den er eben anzutreten im Begriffe steht.

Die geknickte Knospe jungfräulicher Jugend und Schönheit, die die Untreue des Geliebten brach, und die ihm hier in stiller, aber eben deshalb nur um so ergreifenderer Schwermut sich zeigt, wird ihn lebhaft warnen, nie eine ähnliche Schandtat zu begehen.

Der Tobende dort, den Fesseln dicht umschließen, der verlangt, dass jeder Vorübergehende sich tief vor ihm neige, und dessen eingebildete Größe, indem er sich Kaiser nennt, nur um so greller gegen alle seine ärmlichen Umgebungen absticht, wird ihn abhalten, je der Leidenschaft des Ehrgeizes zu sehr den Zügel schießen zu lassen.

In jener Ecke sitzt ein großer Mann, ganz regungslos, und nichts scheint er zu beobachten, was um ihn her vorgeht; doch zuweilen winkt er stolz mit der Hand, oder er zieht finster die Augenbrauen zusammen. Hier nehme der Jüngling ein Beispiel, wie weit Schwärmerei führen kann. Der Unglückliche bildet sich ein, er sei Gott der Allmächtige selbst, und vor dem Zusammenziehen seiner Augenbrauen müsse, wie einst beim alten Jupiter der Olymp, so hier der ganze Erdball zittern.

Doch, was in einem Irrenhause zu finden sei, wird jeder Leser wissen, und ich darf daher die verschiedenen menschlichen Laster oder Schwächen, gegen welche man hier die lebenden Warnungstafeln finden kann, nicht genauer aus einander setzen.