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Die Frage lässt sich gewiss schwer beantworten, doch wäre ich eher geneigt, sie zu verneinen, als zu bejahen. Die Sache ist neu, und der Berliner ergreift alles Neue mit gewaltigem Eifer, doch dieser währt nur zu oft nicht lange, und auf anfänglichen Enthusiasmus folgt bald Lauigkeit, und dann Kälte.

Dennoch glaube ich, dass sich eine Unternehmung wie das Königsstädter Theater sein soll, wohl halten kann, wenn nämlich die Direktoren nicht von der ein Mal vorgezeichneten Bahn weichen.

Das neue Theater soll und will, so sagt man, ein Volkstheater, eine edlere Art Kasperle-Theater sein. Bleibt es dieser Tendenz getreu, und strebt nicht nach Höherem, so kann es manches Gute bewirken, und wird dabei gewiss von Bestand sein, denn der Berliner liebt die leichten Speisen, und lacht gern. Die Masse füllt überdies die Kasse, und damit sind die Aktionäre gewiss zufrieden, denn schwerlich werden sie selbst es bestreiten, dass sie bei dieser Unternehmung nur ihren Vorteil beabsichtigten.

Dies Mal könnten sich aber die sonst so pfiffigen Spekulanten doch wohl verspekuliert haben. Ich besitze nicht die Gabe der Prophezeihung, aber dennoch will ich den Herren ihren Untergang vorausverkünden, wenn sie sich in irgend einen Wettstreit mit der königlichen Bühne einlassen. Für die Dauer reichen ihre Kräfte nicht hin, denselben durchzuführen, und über kurz oder lang müssen sie dabei zu Grunde gehen.

Für diesen Fall ist schon ein Punkt sehr zu berücksichtigen, der die Einnahme bei der Länge der Zeit schmälern muss, nämlich die entfernte Lage des Königsstädter Theaters, welche grade wieder zum Vorteile gereicht, sobald es ein Volkstheater ist.

Der Erfolg allein kann hierüber entscheiden,

Etwas mehr als ein Jahr ist verflossen, seit ich obige flüchtige Bemerkungen in mein Erinnerungsbuch schrieb, und ich finde jetzt meine damalige Meinung vollkommen bestätigt.

Die Aktien des Königsstädter Theaters sind gefallen, und wenn auch hieran ein höchst skandalöser Auftritt zwischen den Direktoren mit Schuld ist, so kann dies doch unmöglich der alleinige Grund sein.

Das Königsstädter Theater hat das königliche verdunkeln wollen, namentlich in Hinsicht der Oper. Wahr ist es, dass es hierin viel, sehr viel geleistet hat, und die Namen eines Wächter, eines Jäger, einer Henriette Sonntag, sind dafür Bürge, aber dadurch ist auch eine Ausgabe herbeigezogen worden, welche für die Dauer unmöglich durch die Einnahme gedeckt werden kann. Der Kulminationspunkt des Glanzes und Ruhmes dieser Bühne ist zwar in unglaublich kurzer Zeit herbeigezogen worden, aber auch eben so schnell, oder doch wenigstens eben so sicher, wird nun auch das Sinken folgen, zumal, da die Direktion in der Wahl der Stücke durchaus nicht eigen ist. Die erbärmlichsten Machwerke betreten hier die Bretter, missfallen, und werden vergessen, schwächen zugleich aber auch die Lust zum Besuche dieses Theaters.

Bekommt es keine andere Form, so dürfte es allenfalls noch einige Zeit ein sieches Dasein hinschleppen, um dann einer frühzeitigen Entkräftung zu er, liegen.