mein-berlin.jpg

Unter diesem Slogan schwafelte heute Morgen der ortsansässige Bild-Chefredakteur im Berliner Radio, der anlässlich des Donnerstag drohenden Papstbesuchs im Olympiastadion noch einmal die schlechte Story zum „Besten“ gab, wie dieser Quadratunsinn 2005 in Sprache gegossen wurde. Aber diese Woche wurde der Spruch auch noch gefaltet, und zwar als Riesen-Plakat am Zeitungsgebäude in der – Sie ahnen es – Axel-Springer-Straße.

(In Berlin hat man Humor, deshalb grenzt selbige seit 2008 an die Rudi-Dutschke-Straße.)

Das Plakat ist halb so groß wie ein Fußballfeld - 46 mal 64 Meter – ca. 2900 qm. Auf eine Abbildung wurde hier eingedenk herzschwacher und junger Leser verzichtet. (Denken Sie sich einen sehr alten, winkenden, faltigen Oberbayern). Jedenfalls eine weitere äußerst bescheidene Geste der BILD.

Aber zurück zu WIR SIND PAPST als „Berühmteste Schlagzeile der Welt“.

Dazu meinte der Chefredakteur: Wir haben (2005) erst einmal gewartet, wie die weltweiten Reaktionen darauf sein würden. -

Wie – gewartet? Wenn die Zeitung raus ist, ist sie raus! Ach, und – Klar ! – gerade BILD sorgt sich stets darum, dass ihre Schlagzeilen bloß niemandem zu nahe treten (Moslems, Hartz VI Empfänger, Linke usw.) – Mit einem Mal ist das Blatt, das jede Woche eine neue Sau durchs Dorf der Spießruten-Bürger treibt, also besorgt. Oh!

Und entspricht es nicht exakt der Definition von „Arroganz“, wenn man im gleichen Atemzug die eigene Schlagzeile für weltbedeutend hält?

Ja, stimmt, im buddhistischen China und Japan, dem hinduistischen Indien, dem moslemischen Afrika, dem jüdischen Israel und den protestantischen USA ist es sicher von HÖCHSTEM Interesse gewesen, was religiös gerade in Deutschland gebacken ist, wo selbst hier nicht einmal ein Viertel der Bevölkerung aktiv katholisch ist.

Aber bevor man tatsächlich über den Schwachsinn vom persönlichen Anteil bei WIR SIND PAPST redet – besitzt bzw. verdient jeder von uns ein Achtzig-Millionstel vom Papst/Kanzler/Goethe/Weltmeistertitel? – schlage ich mal 4 Zeilen vor, die eventuell ein Myon mehr in die Richtung „Berühmteste Schlagzeile der Welt“ gehen:

WAR IS OVER – Daily Mail, 9. Mai 1945

TWO MEN WALK ON THE MOON – Washington Post, 21. Juli 1969

HISTORISCHE STUNDEN IN BERLIN – B. Morgenpost, 10. Oktober 1989

ASSAULT ON AMERICA – London Times, 12. Sept. 2001

Nur, damit ihr BILD-Leute ab und an merkt, dass es wichtigere Dinge gibt als einen Märchenonkel in einem Stadion.

Über 20.000 Gegendemonstranten von mehr als 60 Vereinen haben sich derweil für Donnerstag gegen den Besuch angekündigt – unter Mottos wie: „Keine Macht den Dogmen”. Also, lieber das Auto stehen lassen.
Man hat angekündigt, das Plexiglas-Fahrzeug des kommissarischen Gott-Stellvertreters mit Kondomen und Viagra-Pillen zu bewerfen.

Klingt nach Berlin.