mein-berlin.jpg

Aus: Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 4. 1864 Adolph Carl Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller

Die verschiedenen Stände blieben dabei vollkommen abgesondert, ja die schon vorhandene Trennung wurde noch tiefer und schroffer während der Regierungszeit Friedrichs, denn dessen offen zur Schau getragene Vorliebe für den Adel flößte diesem ein Selbstbewusstsein ein, welches er unter dem bürgerlichen Regiment Friedrich Wilhelms nicht haben konnte.

Aus: Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 4. 1864 Adolph Carl Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller

Fast ein halbes Jahrhundert umfasste die Regierung Friedrichs des Großen. Ein solcher Zeitraum ist stets für die geschichtliche Entwicklung von hoher Bedeutung, in jener Zeit aber und für unsere Stadt genügte er, um Berlin vollständig umzugestalten.

Aus: Berlin. Ein Buch für junge und alte Preußen. Institut für Angewandte Sozialwissenschaft. 1852

Es ist mit das älteste Gotteshaus Berlins, das zu St. Marien, in das wir treten wollen, meine Lieben, das in seiner Großartigkeit und Ehrwürdigkeit vor allen Kirchen Berlins das Herz erhebt. Wahrscheinlich ist die Marienkirche nach 1250 erbaut worden, eine Urkunde vom Jahre 1292 erwähnt ihrer zuerst. Sie gehörte zum Sprengel des Bischofs von Brandenburg. Das Gewölbe ruht auf zehn gotischen Pfeilern, das Schiff und das Chor messen 207 Fuß.

Aus: Berlin. Ein Buch für junge und alte Preußen. Institut für Angewandte Sozialwissenschaft. 1852

Da, wo Ihr jetzt auf dem Kirchhof zum heiligen Geist, am Ende der Heiligengeiststraße ein schönes neues Haus betrachten könnt, meine Lieben, das aus dem Vermögen dieser alten Stiftung aufgeführt ist und zu ihrem Besten vermietet wird, stand noch vor wenig Jahren eine sehr alte Baulichkeit, deren zuerst in dem Privilegium der Schneiderinnung vom Jahre 1288 Erwähnung getan wird.

Aus: Berlin. Ein Buch für junge und alte Preußen. Institut für Angewandte Sozialwissenschaft. 1852

Wie im eigentlichen Berlin die Nikolaikirche, so ist in Cöln das erste Gotteshaus die Petrikirche auf dem Petriplatz. Die Pfarrkirche von Cöln wird schon im Jahre 1238 in einer Urkunde erwähnt. Um 1379, als sie baufällig geworden, hat man sie erneut, was öfter und zuletzt um 1675 wiederholt werden musste, wo Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, das Gebäude durch einen Turm verschönern wollte, zu dem Cornelius Ryquart den Plan entworfen hatte, der aber nicht ausgeführt wurde; sein Sohn, König Friedrich, machte des Vaters Absicht wieder zu der seinen.

Aus: Berlin. Ein Buch für junge und alte Preußen. Institut für Angewandte Sozialwissenschaft. 1852

An der einen Wand dieser Kirche liest man: renovatum 1223, und weis daher, dass sie wohl gleich nach der Gründung der Verehrung des christlichen Gottes hier auf dieser Seite der Spree gestiftet wurde. Hier an dieser geweihten Stelle ward also zuerst das Evangelium des Herrn in unserer Vaterstadt gepredigt, hier haben die ersten Bewohner Berlins zu Gott gebetet in ihren Nöten und Gott gedankt in ihren Freuden, hier haben sie ihre bedrängten Gewissen vor dem Vater gedemütigt und sich der gnädigen Annahme ihrer Buße gefreut. Einfacher und im Ganzen doch dieselben sind die Wünsche und Ängsten der ersten Spreeanwohner gewesen, die hier in Sanct Nikolai Kirche zu dem Vater beteten, als die der heutigen Anwohner.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Ob Berlin sich zu einem Universitätsort eigene, ob überhaupt eine größere Stadt dazu passe, darüber wurde viel gestritten, als die Universität zu Berlin begründet ward, und meine Absicht kann es nicht sein, alle die Gründe des Für oder Wider hier nochmals aufzustellen und zu erwägen.

Berlin hat in kurzer Zeit einen bedeutenden Rang unter den Universitäten Deutschlands sich erworben, es zählt die ausgezeichnetesten Männer unter seine Lehrer, die Zahl der Studierenden ist ebenfalls nicht gering, und dies zeugt gewiss hinreichend für die Entscheidung jener Frage, selbst wenn auch unter den Studierenden so Mancher sein möchte, den mehr die Absicht, die Freuden der Residenz zu genießen, als die Kollegien zu besuchen, Hierher zog.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Ich kam mit einem Freunde aus einer Gesellschaft. Es war halb elf Uhr, und alles öde und still auf den Straßen, denn in Berlin wird es früh Nacht, und wer um diese Zeit noch nicht in seiner Wohnung ist, der gilt schon für einen halben Nachtschwärmer; für einen ganzen aber, ist er um elf Uhr noch nicht zu Hause.

Fröhlich und wohlgemut schritten wir vorwärts, und unterhielten uns munter von dem, was uns in der Gesellschaft ge- oder missfallen hatte, da bemerkten wir plötzlich einen überaus hellen Schein, der aus den Fenstern eines Hauses, welches in geringer Entfernung vor uns lag, auf die Straße fiel. Schnell eilten wir dorthin, und es blieb uns, als wir nahe kamen, kein Zweifel, dass es Feuer sei.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

 

Spandau gehört nicht zu Berlin, könnte man mir einwerfen, und verdient daher hier keinen Platz. Dieser Einwurf wäre freilich nicht ganz ohne Grund, doch auch nicht ganz schlagend, und ich wollte es unternehmen, eine Verteidigung dagegen zu führen, die gewiss den Sieg im Gefolge haben würde. Hier aber führte diese Verteidigung zu weit, und daher will ich es ohne dieselbe wagen, einige Worte über Spandau zu sagen.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Berliner Lindenallee 1691Es ist doch höchst angenehm, unter den Linden zu wohnen. Man hat hier ein beständig wechselndes, buntes Panorama vor Augen. Ich könnte zuweilen den ganzen Tag nicht müde werden, aus dem Fenster zu sehen, und mich an der Menge zu ergötzen, welche auf der 1.600 Schritt langen Promenade hin und her wogt. Oft scheinen die 50 Fuß Breite nicht hinlangend, um alle die Spaziergänger zu fassen. Häufig war ich, besonders im Sommer, des Sonntags, schon vor 5 Uhr des Morgens in meinem Observatorio, das heißt, ich schaute zu meinem Fenster hinaus. Schon so früh fangen die Linden an, belebt zu werden, aber nur einzelne Männer zeigen sich, und ihr langsamer, matter Schritt, ihr blasses Ansehen, verraten deutlich, dass sie das nächtliche Lager, statt es schon verlassen zu haben, erst zu suchen im Begriffe stehen.

Aus: Berlin wie es ist - Fortsetzung der Sitten- und Charaktergemälde von London, Madrid und Wien. 1827. Von Karoly Maria Kertbeny (1824-1882) österreichischer Journalist und Menschenrechtler

Was sich geändert, seit ich diese Zellen aufsetzte, oder was Neues hinzukam, ist sorgfältig nachgetragen, als die Arbeit zum Druck bestimmt ward.

Die Straßen Berlins zu durchwandern, war eine meiner ersten Beschäftigungen, als ich dort angekommen, wenn man es nämlich eine Beschäftigung nennen kann, ohne Plan, die Kreuz und Quer, umherzuschlendern, und keinen andern Zweck vor Augen zu haben, als sich umzusehen. Allein sind dergleichen Wanderungen aber langweilig, oder ohne Nutzen, denn man kann eines Teils seine Bemerkungen nicht austauschen oder berichtigen, andern Teils aber auch nicht sogleich Belehrung über Dinge erhalten, die man zu wissen wünscht. Daher bat ich einen Landsmann, der sich schon längere Zeit in Berlin aufgehalten, und dessen Bekanntschaft ich gleich anfangs gemacht, um seine Begleitung.