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Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

In Verbindung mit dem Schlossbau stand auch der der Stechbahn, jener Häuserreihe, welche sich von der Brüderstraße bis an die Werderschen Mühlen erstreckt.

Der König hatte ursprünglich die Absicht gehabt, an der Stelle, wo jetzt die Stechbahn steht, der Langen Brücke gerade gegenüber, eine steinerne Brücke nach dem Werder herüber zu ziehen; aus dem Plan wurde indessen nichts und im Jahre 1702 wurde statt dessen die gegenwärtig noch bestehende Stechbahn mit ihren Kaufmannsläden und Bogenlauben gebaut. Der Platz vor der Stechbahn, unter welchem sich die Keller derselben befinden, wurde mit hölzernen Pfählen umgeben, damit nicht darauf gefahren werden könne. Innerhalb dieser Umzäunung versammelten sich alle Mittage die Kaufleute und dies gab Veranlassung zur Begründung der Börse.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Friedrich war das Schloss seiner Ahnen bei Weitem zu enge; er beschloss, dasselbe vollkommen umbauen zu lassen und übertrug diese Arbeit dem berühmten Schlüter, dem größten Baumeister seines Zeitalters.

Es war für Schlüter keine kleine Arbeit, aus den in den verschiedensten Zeitepochen entstandenen Gebäuden, die ohne Ordnung und Symmetrie in einander gebaut waren, ein zusammenhängendes Ganze, einen Palast von edler Anlage zu schaffen. Schlüters Genialität überwand alle Schwierigkeiten. Er entwarf den Plan zu einem prächtigen Schloss mit großen, reich geschmückten Höfen in der Mitte und der Plan fand die Billigung des Kurfürsten.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Der Friedrichswerder hatte sich schneller wie die Dorotheenstadt gehoben; ihn zierte das prächtige im Jahre 1706 vollendete Zeughaus, außerdem war auch der Münzkanal angelegt worden und der Platz an der neuen Kirche seit dem Jahre 1705 mit schönen Häusern umgeben.

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So war durch die Friedrichsstadt ein neuer prächtiger Stadtteil entstanden, der unmittelbar an die Dorotheenstadt grenzte. In dieser aber wollte der Anbau nicht so gut gelingen, wie in der Friedrichsstadt selbst. Eine Menge schlechten Gesindels hatte sich dort nach und nach angesiedelt und schreckte die besseren Klassen vom Anbau zurück. Im April 1698 befahl Friedrich, die leeren Plätze auf der Dorotheenstadt zu bebauen; in Folge dieses Befehls mehrte sich zwar die Zahl der Häuser, aber nicht die Zahl der anständigen Bewohner.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Ein Fürst, dessen Lebenselemente Glanz und Pracht waren, mußte bestrebt sein, seine Residenz zu einem würdigen Sitz des Hofes zu machen. Berlin verdankt daher dem König Friedrich zum großen Theil fein schnelles Wachstum und sein Emporblühen zu einer Stadt, welche ebenso wohl durch regelmäßige Straßen, als durch prächtige Gebäude geschmückt ist.

Aus: Sagen und Miszellen aus Berlins Vorzeit: Nach Chroniken und Traditionen. 1831. Cosmar, Alexander (1805-1842) deutscher Schriftsteller, Buchdrucker und Buchhändler

1. Der erste Rektor an der Cölnischen Schule, Namens Knaustius schrieb ein Werk betitelt: „Hoffarbe und Kleidung Christi, vom Kreuz und Leben der Christen. 1564.“ —

2. Der Prediger Andreas Rittner, an der Marienkirche, gab im Jahre 1692 ein Buch heraus, das folgenden Titel führte: Der auf dem Meere dieser Welt zwar sinkende, aber nicht untersinkende Simon aus Genes. XI, XI, 18. bei Beerdigung des Herrn Andreas Simon, Handelsmannes in Berlin betrachtet. 4. 1692.“ —

3. Im Jahre 1682 erschien: „Schreiber's geistliches Rauchwerk, oder Gebetbüchlein wider die schwere Seuche der Pestilenz.“ —

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In der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts war in Berlin eine besondere Verschwendung durch den Aufwand in Kleidungsstücken der Mannspersonen, und besonders in der Hosentracht eingerissen, die man kaum glauben würde, wenn sie nicht durch die Geschichtsschreiber, durch die alten Polizei- und Kleiderordnungen, und durch den Eifer der Geistlichen, die dawider predigten und schrieben, bestätigt worden.

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Nicht ohne Grund ist die Bemerkung, dass in den Zeiten des größten Elends, welches ein Staat nur erfahren kann, in den Hauptstädten gewöhnlich der Luxus steigt. So oft Erfahrung dies bestätigte, konnte man aber auch den Luxus als ein Zeichen verderbter Sitten, und verborgenen Elends ansehen. Als die Gräuel des dreißigjährigen Krieges verheerend die Mark durchzogen, blieb auch Berlin von ihrer Geißel nicht verschont.

Berliner Jungfernbrücke, Hans Baluschek (1870-1935)Aus: Sagen und Miszellen aus Berlins Vorzeit: Nach Chroniken und Traditionen. 1831. Cosmar, Alexander (1805-1842) deutscher Schriftsteller, Buchdrucker und Buchhändler

Zu jener Zeit als gastfreundlich Berlin
Die Reformierten aufgenommen,
Die man in Scharen sah aus Frankreich fliehn.
Und Betteln um ein Unterkommen;

Ward man mit mancher feinen Kunst bekannt,
Von der man hier bisher nichts wusste.
Und die den Flüchtigen aus fränk'schem Land
Bewunderungsvoll man danken musste.

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Berliner SchlossIm Jahre 1525, am Tage des Heiligen Märtyrers Stephani, ereignete sich zu Berlin ein Vorfall, dessen mehrere Chronisten gedenken, und den wir hier um so mehr erzählen müssen, da er uns Gelegenheit gibt, die Geschichte des alten Doms zu berühren. Das Kloster der schwarzen Brüder oder Dominikaner, worin sich Folgendes begab, lag auf dem Schlossplatze zwischen der Brüder- *) und der Breitenstraße, und wurde in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gestiftet. Als sich der Churfürst Joachim I. mit seiner Gemahlin Elisabeth zur Früh-Predigt eingefunden, und der ganze Hofstaat, und viel Volks sich in der Klosterkirche versammelt hatte, bestieg ein Dominikaner-Mönch die Kanzel, und eiferte in harten Ausdrücken gegen die Ketzer; denn er wusste wohl, dass viele Einwohner von Berlin der Päbstlichen Gräuel überdrüssig waren.

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1. In der alten Petrikirche *) befand sich folgende Grabschrift:

„Mit Empfehlung der Seelen in die treue Hand Gottes, wollte ihrem liebsten Ehegatten auch nach dem Tode an der Seite ruhen Justina, verehlichte Lichtscheidin, geborene Hagen;“

„Dieweil in dieser Jammerwelt sie sonsten
nichts so sehr gelabt,
Als dass sie einen solchen Gott und einen
solchen Mann gehabt!“ —

Aus: Sagen und Miszellen aus Berlins Vorzeit: Nach Chroniken und Traditionen. 1831. Cosmar, Alexander (1805-1842) deutscher Schriftsteller, Buchdrucker und Buchhändler

Der berühmte Abt Johann Tritheim*), den Churfürst Joachim I. im Jahre 1505 an seinen Hof berief, um sich von ihm in der griechischen Sprache, besonders aber in der Mathematik und Geschichte unterrichten zu lassen, schrieb um diese Zeit aus Berlin folgendes:

„Ich lebe hier in großen Gnaden bei dem Churfürsten; allein von allem gelehrten Umgange gänzlich verlassen. Die Einwohner sind gut; aber zu rau und ungelehrt. Sie lieben mehr die Schmausereien und das Trinken, als die Wissenschaften. Selten findet man einen Mann, der die Bücher liebt; sondern aus Mangel einer guten Erziehung und Lebensart, ziehen sie die Gesellschaften, die Pokale und den Müßiggang vor.“ — **).