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Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Durch Leibnitz blieb Sophie Charlotte in fortwährendem Verkehr mit den größten Gelehrten ihrer Zeit. Der philosophischen Königin verdankt Berlin die Gründung der Akademie der Wissenschaften.

Eines Tages speiste der Hofprediger Jablonski bei Sophie Charlotte; da wendete sich die Kurfürftin an ihn und sprach ihr lebhaftestes Bedauern aus, dass eine Residenz, die doch in der Wissenschaft eine bedeutende Rolle in Deutschland einnehmen müsse, nicht einmal eine Sternwarte besäße und ebenso wenig einen bedeutenden Astronomen, der hier seine Forschungen mache.

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König Friedrich war kein Mann der Wissenschaft. Wenn er sich auch mancherlei tüchtige Kenntnisse erworben hatte, so fehlte ihm doch der Sinn für ein ernstes, wissenschaftliches Streben; trotzdem aber vernachlässigte er die Pflege desselben nicht.

Am Hofe Ludwigs XIV. fanden berühmte Gelehrte eine freundliche Anfnahme; unmöglich durfte Friedrich hinter seinem Musterbild zurückbleiben und wenn ihm auch der innere Antrieb fehlte, so tat er doch viel für den äußern Schein.

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Den Mittelpunkt für alle künstlerischen Bestrebungen in Berlin bildete unter der Regierung Friedrichs die von ihm errichtete Akademie der Künste. Die erste Veranlassung zur Einrichtung derselben gab ein Privatverein einiger Künstler, zu dem auch Augustin Terwesten gehörte. Terwesten empfahl dem Kurfürsten diesen Privatverein und legte ihm die Idee ans Herz, aus demselben eine Akademie der Künste, wie solche in Rom und Paris bestand, zu bilden.

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Der Druck, der damals auf der Dichtkunst lastete, wurde auch für die Entwicklung der Schauspielkunst in Berlin störend. Obgleich die Liebhaberei für das Schauspiel unter der Regierung Friedrichs in Berlin bei allen Ständen außerordentlich groß war, so konnte dasselbe doch aus Mangel an guten Stücken nicht zu einem wirklichen Volks-Bildungsmittel werden.

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Weit trauriger als mit der Musik sah es zur Zeit Friedrichs in Berlin mit der Dichtkunst aus. Zwei Hofherren, der Ober-Ceremonienmeister v. Besser und der Freiherr Friedrich v. Canitz waren die Repräsentanten derselben; sie missbrauchten ihr Talent zu niedrigen Schmeicheleien gegen den König und die Mitglieder seiner Familie. Die Muse war ihnen eine feile Hofdienerin, wie denn überhaupt die Kunst in jenen Tagen in Berlin nicht Gemeingut des Volks war, sondern größtenteils nur dazu diente, den Hof und die bevorrechtigten Klassen zu unterhalten.

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Einer nicht so großen Begünstigung als die bildenden Künste erfreute sich in Berlin die Musik. Obgleich die Königin Sophie Charlotte eine außerordentliche Musikliebhaberin war, so konnte diese doch nicht viel für ihre Lieblingskunst tun, denn Friedrich gab mehr auf Trompetengeschmetter, als auf wahre Kunst.

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Eine Kunst, die unter der Regierung Friedrichs besonders in Berlin emporblühte, war die des Stempelschneidens. Friedrich liebte kunstvoll geprägte Denkmünzen außerordentlich. Jedes bedeutende politische Ereignis, jede gewonnene Schlacht seiner Truppen, ja selbst jede Familien-Begebenheit wurde durch irgend eine Medaille verherrlicht, auf der das betreffende Ereignis sinnbildlich dargestellt und durch irgend einen Denkspruch erklärt wurde.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Die prächtigen Bauten, mit denen König Friedrich seine Residenz verschönerte, zogen eine bedeutende Anzahl von Künstlern nach Berlin. Baumeister, Bildhauer, Maler wurden in gleichem Maße bei denselben beschäftigt.

Schon unter der Regierung des großen Kurfürsten hatten sich viele ausgezeichnete Baumeister, wie Memhardt, Smid, Nehring, Berlin zum Wohnsitz ausersehen. Smid und Nehring leiteten, wie wir bereits erzählt haben, in den ersten Jahren Friedrichs III. viele wichtige Bauten.

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Der Tiergarten hatte noch immer seinen Plankenzaun und die Gittertore, auch war noch Wild in demselben; aber doch hatte er seine frühere Bestimmung eines eigentlichen Jagdreviers schon verloren und verwandelte sich mehr und mehr in einen schönen mit Parkanlagen versehenen Wald, der hauptsächlich zu Spaziergängen und Spazierfahrten bestimmt war.

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Toland geht demnächst über zu einer Beschreibung der verschiedenen Lustschlösser in der Nähe Berlins, er schildert uns die wahrhaft königliche Pracht, welche in denselben aufgeboten war.

Es wird unsere Leser interessieren, zu erfahren, wie es damals in einigen Orten aussah, welche heut noch den Zielpunkt von vielen kleinen Lustreisen der Berliner bilden. Wir lassen daher einen Teil von Tolands Schilderung hier folgen:

„Das erste, welches ich gesehen habe, ist Oranienburg, welches von dem letzt verstorbenen Kurfürsten zur Lust seiner Gemahlin angefangen und nach dem Namen ihrer Familie benannt wurde; es liegt in einer solchen Gegend, welche Holland sehr gleich kommt. Nahe dabei liegt ein kleines Städtchen gleichen Namens und rund herum sind sehr große, weite Wiesen, welche durch gewisse Kanäle, die aus der Havel kommen, befeuchtet werden, in der Ferne ein Wald, den man durchgehauen hat, wodurch sehr schöne Prospekte gemacht wurden, die zuweilen bis an ein anderes nahe gelegenes Lustschloss reichen. Es besteht aus 2 Höhen, das Hauptgebäude liegt in der Mitte. Es haben Ihre Majestäten sothanes Gebäude beinahe in die Hälfte vermehrt, und zu Ehren Ihrer Frau Mutter sehr viele Zierraten hinzugefügt, wie solches aus einer lateinischen Inscription erhellt, welche oben über dem großen Tore steht. Der Garten ist sehr weitläufig und mit vielen Statuen, Wasserkünsten, großen aufgerichteten Säulen, Grotten, einem Vogel- und Orangenhause, wie auch noch mit einem andern kleinen Hause etliche Schritte weiter hin ausgeziert, so die Favorite heißt und darinnen der König, wenn es ihm gefällig ist, gar bequem ruhen und schlafen kann. Ingleichen wird auch jeht dort ein Behältnis; für verschiedene Tiere (Menagerie) gebaut, wie auch eine Einsiedelei, so Alles noch zu Oranienburg gehört. Die Wasserrohre an der großen Treppe steigt 46 Schuh hoch: eine noch größere aber, die noch höher steigt, ist in dem Garten und empfangen beide ihr Wasser durch sehr kostbare Kunstwerke, welche nahe an dem Flusse in einem ebenen, platten Lande aufgeführt sind und nicht die geringste Höhe haben, die ihnen zu Hilfe käme. Allein vor Allem ist wohl die Galerie und das Porzellan-Kabinett, darin auch sonst noch eine große Menge von allerhand kostbaren Steinen, alten Köpfen, Ringen u. dgl. m. zu sehen sind, ein Wunderwerk, desgleichen nirgends sonst zu finden ist. Ja ich bin der Meinung, dass der Kaiser in China selbst nicht mehr Arten vorzuzeigen weiß, ungeachtet er der einzige Potentat ist, der es an der Quantität und Menge diesem gleich tun kann; gewisslich kann nichts in der Welt das Gesicht und die Augen mehr ergötzen, als eben dieser Schatz. Die Ordnung davon ist ganz unvergleichlich und zeigt an, wie der König seine Dinge recht eingerichtet haben will, indem er diese Porzellansachen alle mit einander von den geringsten Stücken an bis auf die unbeschreiblich großen Töpfe und Gefäße bald in Pyramiden, bald in große Pfeiler und Säulen eingeteilt und abgezirkelt hat, nachdem es nämlich ihre Gestalt und Form mit sich gebracht. Die Wände in diesen Zimmern (wenn ich so reden darf) sind von bloßen Spiegeln, welches denn, nachdem es von so vielen Raritäten zurückscheint und einen trefflichen Glanz gibt, wunderschön zu sehen ist, indem noch dazu die Einfassungen vortrefflich schön vergoldet und gemalt sind. Von Berlin aus rechnet man bis zu diesem Ort 4 deutsche Meilen, welche auch just durch so viele ausgehauene Steine bemerkt sind, an welchen die Zahlen und gewisse Inseriptionen nach Art der Wegsteine, die bei den alten Römern gebräuchlich waren, stehen, wiewohl diese letztern, nämlich die römischen, allemal nur auf 1000 Schritte von einander gesetzt und aufgeführt waren. Ebenso weit ist es auch von Berlin bis Potsdam, und werden auch solche Meilensteine auf dem Wege gefunden.“

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Die vielen prächtigen Bauten Friedrichs, die Begründung ganzer Stadtteile veränderte während seiner Regierungszeit den Charakter Berlins vollkommen. Die Stadt gewann jetzt mehr und mehr das Ansehen einer Residenz. Dafür zeugt eine Beschreibung des Engländers Toland, der allerdings nicht ganz unparteiisch ist, denn der freundliche Empfang, der ihm am Hofe Sophie Charlottens geworden war, hatte ihn wohl geneigt gemacht, alle Verhältnisse der Residenz im rosigsten Lichte zu sehen; es ist indessen jedenfalls interessant, aus den eigenen Worten des Engländers zu beurteilen, welchen Eindruck das damalige Berlin auf ihn gemacht hat. Wir teilen deshalb unsern Lesern den folgenden Auszug aus seiner Relation an den Herzog von Sommerset mit:

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Eins der schönsten Bauwerke aus der Zeit Friedrichs ist die Lange Brücke mit dem herrlichen Monument des großen Kurfürsten.

Bisher war die Lange Brücke eine elende Holzbrücke gewesen; im Jahre 1690 wurde sie unter der Leitung des Baumeisters Nehring mit prächtigen Pirnaischen Quadersteinen zu erbauen begonnen. Der Plan wurde, als Schlüter hinzutrat, geändert und in den Jahren von 1692—1695 das herrliche Werk vollendet. Im Jahre 1703 am Geburtstage des Königs wurden die Statue des großen Kurfürsten auf der Langen Brücke feierlich eingeweiht. Wilken gibt uns hierüber folgende Schilderung: