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Aus: Baugeschichte von Berlin. Vortrag gehalten im Berliner Hilfs-Verein für das germanische Museum zu Nürnberg am 6. Februar 1861 von F. Adler (Baumeister) 1861.

Der Beginn des 16ten Jahrhunderts brachte auf politischem Gebiete für Berlin die durchgreifendsten Veränderungen. Schon lange war trotz des Städtebundes der Landfriede nicht mehr gesichert, die Landesregierung war schwach, der Adel mächtig. Fehden erfüllten das Land, machten die Straßen unsicher, hemmten den Verkehr — kurz, ein Zustand völliger Rechtlosigkeit drohte das Land zu zerrütten. Mitten in der Verwirrung verlieh Kaiser Sigismund dem Burggrafen Friedrich von Hohenzollern die Mark erst zur Verwaltung, dann zum erblichen Besitz. Mit eben so viel Tatkraft wie Mäßigung gelang es diesem seltenen Fürsten, in jahrelangem, mühsamen Kampfe den Trotz des verwilderten Adels zu brechen, den Landfrieden zu sichern und die Mark vor gänzlicher Zersplitterung zu retten.

Aus: Baugeschichte von Berlin. Vortrag gehalten im Berliner Hilfs-Verein für das germanische Museum zu Nürnberg am 6. Februar 1861 von F. Adler (Baumeister) 1861.

Eine solche trat erst ein, da die wunderbar schnelle Ausbreitung der Bettelmönchsorden, aus Italien durch das innere Deutschland vorwärts dringend, auch die Städte Berlin und Köln berührte und diese Brüderschaften zum Bau ihrer Kirchen schritten. In Berlin geschah dies im Jahre 1271 durch den Franziskanerorden, der als kleiner Konvent schon seit 1250 ansässig war, aber erst in jenem Jahre, von dem Landesherrn mit einem Bauplatze beschenkt, seine Klosterkirche in der Klosterstrasse zu erbauen begann.

Aus: Baugeschichte von Berlin. Vortrag gehalten im Berliner Hilfs-Verein für das germanische Museum zu Nürnberg am 6. Februar 1861 von F. Adler (Baumeister) 1861.

Fassen wir die erste Epoche, die baugeschichtliche Entwickelung im Mittelalter zunächst ins Auge, so zeigt sich dieselbe von der anderer märkischen Städte nicht verschieden. Da alle Städte der Mark auf mühsam erobertem Slawengebiet erbaut und von deutschen Einwanderern besetzt wurden, so war die erste Bautätigkeit auf die Erfüllung der nächstliegenden Bedürfnisse gerichtet. Mit dem Aufbau schlichter Wohnhäuser für die einwandernden Kaufleute, Ackerbürger und Handwerker verband sich die gleichzeitige Errichtung der Pfarrkirche, während die junge Pflanzstätte deutscher Kultur durch Wall und Graben gesichert wurde.

Aus: Baugeschichte von Berlin. Vortrag gehalten im Berliner Hilfs-Verein für das germanische Museum zu Nürnberg am 6. Februar 1861 von F. Adler (Baumeister) 1861.

Jedes Bauwerk, mit Ausnahme der rein idealen Grabes- oder Ehrendenkmäler, ist bestimmt, reale Bedürfnisse des menschlichen Lebens zu befriedigen. Mehr als ein andrer Künstler ist daher der Baumeister gezwungen, auf Sitte und Lebensweise seiner Zeitgenossen einzugehen, und den Ideengehalt des Zeitalters an seinen Schöpfungen auszuprägen. Da aber nur derjenige Bau ins Leben tritt, zu welchem die materiellen Mittel vorhanden sind oder zu dessen Herstellung die mechanischen Fertigkeiten ausreichen, so gibt jede Bauanlage beide Bedingungen wie in einem Spiegel zu erkennen.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Wie reichlich auch alle die Einnahmequellen flossen, aus denen Friedrich die Mittel für seinen Hofhalt bezog, sie waren dennoch nicht reichlich genug, denn in den königlichen Kassen blieb stets Ebbe. Mit natürlichen Mitteln vermochte Friedrich nicht Geld genug zu schaffen, so musste er denn zu übernatürlichen seine Zuflucht nehmen. Er musste, wie so mancher seiner Vorgänger, versuchen, den Stein der Weisen zu finden, um das Geld, welches er durch Steuern nicht mehr aufzutreiben vermochte, sich selbst zu machen. Goldmacher und andere Betrüger wurden daher mit großer Freundlichkeit am Hofe aufgenommen.

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Eine außerordentliche Einnahmequelle war für Friedrich auch das Heer; dasselbe Heer, welches für das Land fast unerschwingliche Abgaben erforderten, bereicherte die Kassen des Königs. Es wurde auf die Kosten des Landes geworben, gekleidet, bewaffnet und unterhalten, Friedrich aber zog die Subsidien ein, welche er für seine Truppen von fremden Fürsten empfing und nur zum kleinsten Teil wieder für das Heer verwendete.

Berlin seit 500 Jahren. Vom Fischerdorf zur Weltstadt. Geschichte und Sage. Band 2. 1864. Von Adolph Streckfuß (1823-1895) deutscher Agrarökonom und Schriftsteller.

Friedrich befand sich in fortwährender Geldnot; er musste unablässig auf neue Mittel sinnen, dieselbe zu lindern. Er wendete sich deshalb häufig und mit gutem Erfolg an die reichen Juden, welche sich in Berlin niedergelassen hatten.

Gleich zu Anfang seiner Regierung mussten sämtliche in Berlin angesessene Juden neue Geleitsbriefe lösen und eine beträchtliche Summe dafür zahlen. So oft es später der königlichen Kasse notwendig erschien, wurde die Schatzung wiederholt.

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Wer Tee, Kaffee oder Schokolade trinken wollte, musste sich einen Erlaubnisschein dazu lösen, der jährlich 2 Thaler kostete, und damit diese Steuer auch hübsch einträglich sei, unterließ es der König nicht, in der ganzen Stadt öffentliche Tee- und Kaffeeschänken anzulegen, damit das Publikum zum Genuss der lieblichen Getränke aufgemuntert werde.

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Auch die Spielkarten waren besteuert. Früher hatten dieselben ebenfalls einen Stempel getragen, der aber nur zu Gunsten der Armen erhoben wurde, vom Jahre 1702 an aber wurde den Armen nichts mehr von der erhobenen Steuer gegeben, denn der Hof bedurfte des Geldes.

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Alle Welt trug jene aus Tier- und Menschenhaaren künstlich verfertigten Kopfbekleidungen. Die Perücken waren von eminenter Größe und kosteten große Summen; — ein würdiger Ratsherr, der sich gebührend schmücken wollte, mußte mitunter wohl 2 — 300 Thaler für eine mächtige Allongenperücke zahlen und es gehörte zum guten Ton, diese aus Frankreich direkt zu beziehen.

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Die kostbaren Bauten, die Hoffeste, welche sich einander jagten, die ungeheuren Gehalte der Minister, der Hofbeamten und Hofkünstler, der glänzende Hofstaat, die Erhaltung des stehenden Heeres verschlangen unter der Regierung Friedrichs enorme Summen.

In frühern Zeiten hatten die Landstände mitunter vermocht, der Verschwendungssucht der Kurfürsten Zügel anzulegen, indem sie die Auflegung neuer Steuern oder die Erhöhung der alten nicht bewilligten. Unter Friedrichs Regierung aber war von einer erforderlichen Einwilligung der Stände nicht mehr die Rede; besonders, nachdem sich Friedrich die Königskrone aufgesetzt hatte, glaubte er sich um die Landstände in keiner Weise mehr kümmern zu müssen. Er ließ zwar die Stände der Kurmark von Zeit zu Zeit einberufen und setzte sie davon in Kenntnis, wenn eine neue Steuer eingeführt, wenn die bestehenden Zölle erhöht wurden; damit aber glaubte er mehr als genug getan zu haben.

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Eine andere wissenschaftliche Anstalt, welche Friedrich 1705 begründete, war die Fürstenschule, eine Erziehungsanstalt für Fürsten, Grafen und adlige Herren, in welche kein bürgerliches Kind aufgenommen werden durfte. Die Zöglinge mussten in der Anstalt wohnen. Die Söhne der Fürsten bezahlten 600, die der Grafen 400, die vom niedern Adel 300 Thaler Pension; dafür aber speisten die Fürsten und Grafen auch von silbernen Tellern an einem besondern Tische, die jungen Herren vom niedern Adel mußten sich dagegen mit anderm Geschirr begnügen. Es wurden tüchtige Lehrer gewonnen, aber einen großen Erfolg hat die Fürstenschule nicht gehabt.