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Die Polizei lebt nun einmal ihrer Natur nach in stetem Kriege mit jedem Einzelnen im Staate zum Wohle des Ganzen. Sollte sie von dem guten Willen dieser Einzelnen abhängig werden, so würde sie ihre Kraft, ihr Ansehen verlieren und eben dadurch die Mittel, ihren Zweck zu erreichen. Deshalb darf eine gute Polizei-Verwaltung nur in den Händen eines obersten Vorgesetzten ruhen, dessen Wille in allen Sachen allein entscheidend ist. Doch darf die Polizei nicht in Willkür oder bloße Gewalt ausarten. In ihr darf nicht weniger Gesetz und Gerechtigkeit vorwalten wie in der Justiz. Sie ist das Schwert der inneren Ordnung, welches nur kundigen und kräftigen Händen anvertraut werden darf. Geschieht dies nicht, so wird eine Unsicherheit in der Verwaltung die notwendige Folge sein.

Die Grundsätze bei der Verwaltung müssen sich auf Resultate des Studiums der Polizei als Wissenschaft stützen so gut wie beim Strafrecht und andern Zweigen der Staats-Verwaltung. Wo ihr jedes Merkmal wissenschaftlicher Ausbildung fehlt und nur Handlanger der Gewalt oder mechanischer Verrichtungen ihre Jünger sind, da wird, da kann sie sich nie zu der Höhe erheben, die ihr gebührt. Und doch ist sie die erste und wichtigste Dienerin im Staate. Ihr Hauptzweck ist Ruhe und Sicherheit im Innern herzustellen. Ohne diese kann kein Staatsleben stattfinden. Erfüllt sie diese Aufgabe vollständig, so greifen die übrigen Räder der Staatsmaschine unbemerkt und regelmäßig in einander ein. Sie kann mit leichtem Zügel regieren, und wenn sie ihren Zweck erfüllt, ist sie deshalb um so besser, und je weniger sie äußerlich fühlbar wird, desto höher steht sie, und um so lieber wird jeder Einzelne sie als eine nützliche und notwendige Unbequemlichkeit anerkennen.

Möge daher Vertrauen und Gemeinsinn der Bürger dieser Residenz die Polizei-Verwaltung ferner unterstützen, damit der für Alle wichtige Zweck der Ruhe, Sicherheit und Ordnung möglichst erreicht und dadurch das Wohl des Ganzen befördert werde.

Sollte dies Buch mit dahin wirken, so würde dies dem Verfasser der schönste Lohn für seine Arbeit sein.

Berlin, im November 1851.

Albert Ballhorn