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Dieser Bau bereicherte die Stadt um ein großartiges Monument, dessen ernste, einfache Haltung zu einer Zeit des übertriebenen französischen Rokokostils ganz ohne Beispiel dasteht und sich in würdiger Weise an die monumentalen Bauten Schlüters anschließt. Aber gerade dieser Vorzug entsprach den Wünschen des für französische Sprache und Kunst so leidenschaftlich begeisterten Königs nicht völlig. Er liebte mehr die prächtig phantastischen, reizvollen Anlagen der französischen Paläste, gegen welche der in strengen Studien antiker Monumente erwachsene Knobelsdorff eine entschiedene Abneigung bekundete. So kam die künstlerische Überzeugung mit dem königlichen Urteil und Willen oft in Konflikt. Es blieben Zerwürfnisse nicht aus, die auf eine fernere großartige Bautätigkeit Knobelsdorffs lähmend einwirken mussten. Bald blieb ihm nur die verjüngte Anlage des Tiergartens, womit der große König die Residenz Berlin beschenkte, als das Feld einer jahrelangen, liebgewonnenen und erfolgreichen Tätigkeit, indessen andere Architekten an seine Stelle und in des Königs Gunst traten. Leider waren es Männer, deren Talent und künstlerische Kraft den großen Aufgaben, welche der baulustige und kunstliebende Friedrich ihnen anvertraute, nicht entsprach. In dem großartig angelegten, aber nüchtern durchgebildeten Palastbau des Prinzen Heinrich (der jetzigen Universität) ist das mittelmäßige Talent des älteren Boumann ebenso deutlich erkennbar, wie in der katholischen Kirche, einer unglücklichen Kopie des berühmten Pantheon zu Rom. Nicht viel günstiger lässt sich von dem Invalidenhause von Petri und dem von Boumann ausgeführten neuen Dom urteilen, der nach dem Abbruch des altehrwürdigen Domes von 1747 — 1750 auf seiner jetzigen Stelle im Lustgarten erbaut wurde, aber neben erhabenen Nachbarbauten den Wunsch einer baldigen Beseitigung gerechtfertigt erscheinen lässt. Erst in den letzten Lebensjahren des großen Königs sind bedeutendere Talente zu erkennen, welche zur monumentalen Entwickelung Berlins wesentlich beigetragen haben. Unter ihnen ist neben dem jüngeren Boumann, welcher die stattliche, aber von königlichen Capricen nicht freie Bibliothek von 1775 an erbaute, vor allen Gontard zu nennen, dessen Bauwerke ein warmes Kunstgefühl, einen seltenen Reichtum der Phantasie und besonderen Sinn für großartige Anlagen bekunden. Mit Recht übertrug ihm der König 1777 den Bau der Königsbrücke und der damit zusammenhängenden Königskolonnaden, welche die ähnliche, aber viel ältere Passage des Mühlendammes von Nehring um Vieles übertreffen. Ungleich energischer macht sich Gontards Talent in den Türmen des Gensdarmenmarkts geltend, für deren Anlage auf einem der schönsten Plätze die Stadt Berlin dem Bauherrn wie dem Künstler zu tiefstem Danke verpflichtet ist. Diese grandiose, ganz ideale Bau-Anlage war der letzte Bau des großen Königs, seines Geistes und seiner Tatkraft würdig. Aber während noch die letzten Architekten Friedrichs II. in ihren Schöpfungen sich immer enger an die antike Tradition wieder anschlossen, immer strenger die Bauwerke Roms studierten, waren schon in den Ruinen Athens neue Quellen für eine Epoche machende Regeneration der Baukunst entdeckt. Die Herausgabe des Werkes von Stuart und Revett über Athen und seine ewig schönen Monumente wirkte nicht nur zündend in England, auch Frankreich und Deutschland traten in diese fruchtbringenden Bewegungen ein. Dieser kunsthistorischen Bewegung verdankt Berlin sein berühmtes Brandenburger Tor, welches 1797 durch Langhans als eine Kopie der Propyläen zu Athen, jenes hochgefeierten Bauwerks der antiken Kunst, errichtet wurde. Erst mit diesem Denkmale empfing die große Prachtstrasse vom Schlosse bis zum Tiergarten einen ihrer Gesamt-Anlage würdigen Abschluss. Doch fehlten immer noch einzelne Zwischenglieder, deren Einschaltung erst einer neuen Gestaltung des Staats verdankt wurde.