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Im Jahre 1657 begann der Bau der Festung nach niederländischem System unter der Leitung von Memmhard am Stralow'schen Tore und wurde 1662 auf der Berliner Seite vollendet. Die alten Mauern und Tore blieben erhalten, indem die neuen Bastionen, Wälle und Gräben hinausgerückt wurden. Der Königsgraben von der Stralower- bis zur Herkules-Brücke und die ihm parallelen Straßen bezeichnen die Richtung des Festungsgrabens und beweisen, dass auf dieser Seite die alte Stadt Berlin wenig oder gar nicht erweitert wurde. Auf der Kölnischen Seite begann der Festungsbau im Jahre 1662 und wurde vieler Schwierigkeiten und der weiteren Ausdehnung halber, da neue Vorstädte Neu-Köln und Friedrichswerder mit hineingezogen werden mussten, erst gegen 1670 fertig. Drohende Kriegsgefahr von Schweden wie von Frankreich her trieb mehrfach zur Beschleunigung und der Kurfürst über wachte den Bau, selbst während seiner Feldzüge, mit dem unermüdlichsten Interesse, wovon die erhaltene Korrespondenz aus dem Elsass wie aus Preußen Zeugnis ablegt. Noch vor gänzlicher Vollendung des Baues war die Festung stark genug, um entscheidend auf die Geschicke des Vaterlandes einzuwirken, denn das weitere Vordringen der 1675 ins Land gefallenen Schweden wurde durch die Festungen Berlin und Spandau aufgehalten. Noch wichtiger und einflussreicher aber war die Tatsache, dass die Festung bestimmt wurde, die Residenz der Fürsten, den Zentralpunkt des Landes, in dem die Fäden einer ausgedehnten Verwaltung zusammenliefen, für alle Zeiten zu schützen, dass also mit dem Festungsbau Berlin die Garantie empfing, Landeshauptstadt zu bleiben. Ein Vorzug, der alle Nachteile und Unbequemlichkeiten des Festungsbaues überwog, aber von der noch immer sehr verkommenen Bürgerschaft wenig erkannt wurde. Die Physiognomie des alten Berlins veränderte sich durch den Festungsbau vollständig. Die Wassermasse der Oberspree wurde durch die neuen Gräben so sehr verringert, dass der Wasserstand fiel, das Flussbett sich einschränkte, sumpfige Uferstellen trocken gelegt und neue Straßen gezogen werden konnten. Das Areal der Stadt wuchs um ein Viertel.

Das Anbrechen einer neuen Zeit und einer neuen Bautätigkeit bekundet Nichts deutlicher, als dass trotz aller Schonung die alten Tore, Mauern und Türme dem gesteigerten Bedürfnis allmählich weichen mussten. Jetzt steht nur noch der vierte Teil der Berliner Ringmauer in Häusern der Neuen Friedrichsstraße verbaut, die Tore und Türme sind vollständig verschwunden.

Während noch der große Kurfürst durch den wohlwollenden Empfang der durch Aufhebung des Edikts von Nantes vertriebenen französischen Protestanten die Einwohnerzahl Berlins beträchtlich hob und für den Anbau von Neu-Köln und Friedrichswerder unermüdlich sorgte, war seine nicht minder tätige Gemahlin Dorothea darauf bedacht, auf ihren eigenen Besitzungen am Tiergarten Straßen anzulegen und Bauplätze abzuzweigen. So entstand die Dorotheenstadt und beide Straßenseiten der sechsreihigen Lindenallee, die heute der eigenste Schmuck von Berlin ist.