Trittbrettfahrer des Sozialneids - 14 brennende Autos in einer Nacht. Nein, es ist nicht die sommerliche Hitze, die einen alten BMW oder einen klapprigen Fiat das Fürchten lehrt.
Bereits allein im Monat Mai wurden in Berlin, vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg, Moabit und im Prenzlauer Berg, mehr Autos vorsätzlich in Brand gesteckt bzw. schwer beschädigt als im gesamten letzten Jahr.Darunter waren auch zahlreiche Fahrzeuge von Mitarbeitern des Stromversorgers Vattenfall, der spätestens seit der durch die japanischen Ereignisse eingeläuteten Energiewende wegen seiner Atom-Strom-Politik kritisiert wird.
Während sich noch zum großen Kabelbrand-Anschlag im Mai nahe der Frankfurter Allee - unter dessen Strom-Ausfällen nicht nur öffentliche Gebäude litten sondern auch das halbe S-Bahn Netz der Stadt lahm lag - Linksradikale als Täter zu erkennen gaben, die dem Imperialismus und dem Atomstrom-Riesen ihre Macht zeigen wollten, tappen die Behörden nun vielfach im Dunkeln. Allein in der Nacht von Montag zu Dienstag fackelten nach Polizeiangaben wieder 14 Autos.
Offenbar haben es sich mittlerweile viele - eben nicht mehr nur von Sozialneid oder Reichen-Hass getriebene Täter - zum Hobby gemacht, mit Benzin, Grillanzündern, nach ehemaligen russischen Außenministern benannten Cocktails oder ähnlichen Brandbeschleunigern vornehmlich teure Wagen anzuzünden, oder was ihr übermüdeter Verstand um 2 Uhr nachts im Schein des Feuerzeugs für teure Wagen hält.
In der Rigaer Straße/Ecke Liebig-str. steht eine Art Säule der Besetzer- und Systemkritiker-Szene, nämlich die unter politisch Interessierten so genannte "Liebig14", deren hartnäckige Bewohner auf Bannern an "ihren" Häusern ihre geringe Liebe zur Polizei und zum "Gewaltstaat" Ausdruck schenken. Da spontane Autobrände ganz nah an diesem Haus nicht erst seit ein paar Monaten beobachtet wurden, zogen einige Behörden bzw. Ermittler Verbindungen zum linksradikalen Milieu.
Dazu gibt es derzeit jedoch keine bestätigenden Hinweise. Man kann sich gleichsam Trittbrettfahrer vorstellen, die sich unter dem "Manifest von Marx" einen neuen Chart-Hit vorstellen, und die gezielt hier Fahrzeuge beschädigen und selbst in Neukölln oder Charlottenburg wohnen, wo es vor einigen Tagen zu Verhaftungen kam, die jedoch bislang keine bedeutenden Informationen zu Tage brachten. Auch Vermutungen, ob gezielt Fahrzeuge von aktiven oder ehemaligen Polizeibeamten ausgesucht wurden - wie angeblich bei dem oben abgebildeten BMW - konnten sich nicht erhärten.
Am Morgen zum Donnerstag (16. Juni) brannten in der Rigaer, Zelle- und Proskauer Straße wieder Fahrzeuge in Friedrichshain. Hier unten sieht man die zwei in Mitleidenschaft gezogenen KFZ, ein äußerst dekadenter Fiat neben einem imperialistischen Seat, die ganz sicher enormen Sozialneid wert sind.
Darunter sieht man die Stelle, wo ebenfalls nahe der Rigaer Straße vor einigen Tagen ein Fahrzeug die Nachbarschaft erhellte, einen Lichtmast sowie einen Baum abbrannte und anstehende Autos mit beschädigte.
Dazu seien von unserer Seite noch zweieinhalb Fragen gestattet:
Wenn es um ideelle Ziele wie Umweltschutz vor großen CO 2 Nobelkarossen geht:
1) wie viel CO 2 wird bei einem Autobrand mit u.a. 4 stundenlang qualmenden Reifen freigesetzt?
2 a) Was genau konnten der Kleinwagen und der Lichtmast dafür?
2 b) Wem nützt das Verbrechen - denn das ist eins - wenn der Besitzer Vollkasko hat, er sich ein neues großes Auto kauft und somit die Autoindustrie davon profitiert? Ist das schon Umverteilung des Kapitals?
2 c) Es klingt vielleicht albern, liebe radikale Umweltschützer, aber: Was konnte der Baum dafür? Warum musste er brennen?
Aber, werdet ihr sagen, genug der zynischen Sprache. Solche Fragen muss man sich ja nun wirklich nicht anhören. Schließlich geht es ums große Ganze! Da muss ein Baum als Bauernopfer der Revolution eben mal herhalten dürfen. Gut. Kommen wir zum Geschäft:
Bitte um Fahrrad-Brand!
Liebe Genossen, da ihr bis hier gelesen habt, sind wir ja quasi unter uns. Pssst.
Also. Mein überaus kapitalistisches Rad steht immer in der Nachbarschaft. Es hat einen Gesamt-Wert von 60 Euro, Gold-Lack und einen Mercedes Stern vorn am Lenker - gleich am Platin-besetzten Korb, wo ich immer die teuren Dekadenz-Brötchen reintue. Gern wäre ich bereit - falls mein Fahrrad kaputt geht - der Versicherung zu sagen, es sei 200 Euro wert gewesen. Das macht also einen Gewinn von 140 Euro. 70 Davon würde ich abgeben an einen Alibi-tüchtigen Genossen.
Vorschlag: Wie wäre es, wenn dem Fahrrad etwas "Unangenehmes zustoßen" würde? Hier meine Abwägungen:
Vorteile:
Aufmerksamkeit der Nachbarschaft für wenige Sekunden
keine piepende Alarmanlage
Es trifft den Richtigen
Adrenalin-Kick ganz ohne Drogen
gewährte Anonymität
Nachteile:
Das Fahrrad brennt nicht so lang
vielleicht kommt nicht mal der RBB zum Fotos schießen
Explosionen sind fast ausgeschlossen
Also, überlegt es euch. Ich lasse es Freitag bis Sonntag an der Ecke Proskauer/Rigaer stehen, (mit gutem Grillanzünder in der Gucci-Satteltasche). Die Gegend kennt ihr ja.

