Donnerstag, 17 Mai 2012

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Wie ich meine Jugend überlebte - Interview zur Neuerscheinung

H.J.Fenske - Cover des Buches
H.J.Fenske-Klappentext
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Hans Jürgen Fenske - Wie ich meine Jugend überlebte

! Lesung am 27. März 2012 im Kunstmuseum Solingen !

Seit September 2011 ist in der Godewind Edition vom Lexikus Verlag der mitreißende biographische Roman "Wie ich meine Jugend überlebte" erhältlich, der dem Autor Fenske bereits im Vorfeld viele Sympathien und Aufmerksamkeit entgegengebracht hat. Heute lebt der Autor in Nordrhein-Westfalen, aber die Handlung spielt nahe Berlin.

Im teilweise autobiographischen Roman erfährt der Leser vom Schicksal Mäxchen Olgarts, der als Junge nach Stalinschem Recht zu 10 Jahren Lagerhaft im Gulag Sachsenhausen verurteilt wird und diese Haft mit vielen Schutzengeln durchhält.

Der Roman kann hier bestellt werden.

Wir haben den Autor im Gespräch zu seinem Werk, das er u.a. am 14. Oktober in Zehdenick vorstellen wird, befragt.

MeinBerlin: Herr Fenske. Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben. Nun ist Ihr Roman endlich erhältlich. In welchen Idee-Stufen und Jahren entstand das Manuskript zum Buch?

H.J. Fenske: Vor 12 Jahren hat mich meine Frau animiert, eher unnachgiebig gedrängt. Ich hatte Öffentlichkeit nach den Jahrzehnten für mich ausgeschlossen, das Geschehen verdrängt, begraben, vergessen. Dann habe ich nachgegeben. Lesungen u.a. in Mettmann haben das Schreiben nachdrücklich befördert: „Das muss gewusst werden. Das muss öffentlich werden.“
Zunächst habe ich an eine Dokumentation gedacht. Das Ansinnen wurde gefördert durch Frau Dr. Ines Reich, damals stellvertretende Direktorin der Gedenkstätte Sachsenhausen, und Herrn Jens Petersen, Lektor im Hoffmann & Campe Verlag Hamburg. Irgendwie hat sich immer wieder alles zerschlagen, was an Versprechungen gegeben wurde. Die Empfehlung, doch besser einen Roman daraus zu machen, hat sich durchgesetzt. Zwischendurch sollten mal 3 Einzelbücher in Fortsetzung, aber ausführlicher entstehen. Die jetzige Fassung ist die siebente in all den Jahren.

MB: In ergreifender, detaillierter Weise beschreiben Sie die grausigen Verhältnisse in verschiedenen Gefangenenlagern, die teilweise unverändert von den Nazis übernommen und nach ´45 von den militärisch-politischen Machthabern speziell der SBZ weitergenutzt wurden. Darüber ist nicht gerade viel bekannt. Sie schreiben im Geleitwort, dass praktisch alles wahr ist. Wie viele Namen (z. B. von Aufsehern) haben Sie vielleicht angepasst, mal abgesehen von deutlichen Stellen wie später beim Autor „Egon Streitmacher“?

H.J. Fenske: Namen aus der Zeit habe ich einfach weggelassen, weil unsicher, vergessen oder aus Versöhnung. Ich habe umschrieben mit Funktion oder Rang. Klarnamen sind Tolja Ljalkajew, Unterleutnant und Politoffizier in Sachsenhausen, und Fritz Richter, Direktor einer Fachschule in Dresden.
Das ist eine Würdigung. Noch immer sind die Vorgänge in der SBZ / DDR von 1945–1956 weitgehend tabuisiert, von Russland und von Deutschland. Damals hat der Westen die Fakten ignoriert, die neue Ostpolitik von Brandt hat sie rücksichtsvoll verschweigen lassen.

MB: Das sowjetische Militärtribunal verurteilte Sie kurz nach Kriegsende als Kind zu 10 Jahren Lagerhaft. Warum und woher kam die paranoide Haltung gegenüber Jugendlichen? Es wurden ja tausende, auch 12jährige eingesperrt.

H.J. Fenske: Die Sowjetmacht ist von ihren eigenen Erfahrungen ausgegangen: Die heroische Rolle der Komsomolzen in ihren Partisanenverbänden, die den Deutschen tüchtig zugesetzt haben. Die Rote Armee hat vom Werwolf gehört und von sich auf die Deutschen geschlossen. Ein Irrtum mit verheerenden Folgen.

MB: Sie nennen einige ältere Inhaftierte, die zu Mentoren, Lehrern und sogar Lebensrettern wurden. Wie viele Häftlinge waren zeitweise in einer Zelle? Sie sprechen einmal von 360 pro Baracke. Und wie groß waren die Zellen?

H.J. Fenske: In den Bunkerzellen des NKWD waren je nach Größe unterschiedliche Belegungen zu finden. Ich war in Brandenburg mit 8 Personen untergebracht. In Alt-Strelitz gab es Säle mit ca. 90 Mann. Todeskandidaten waren in Einzelhaft. Normalzellen in Gefängnissen waren mit 3 bis 4 Häftlingen belegt statt einem. In den Baracken in Sachsenhausen saßen ca. 360 ein auf drei-Etagigen Pritschen. Bei den Deutschen in Untermaßfeld waren wir mit 3 Personen auf einer Ein-Mann-Zelle. Es gab immer Überbelegung.

MB: Man liest oder hört immer wieder, wie bei Häftlingen das Nichtstun zum schlimmsten Feind wird. Nun waren Sie zwar offiziell in einem „Arbeitsbesserungslager“, haben jedoch nie einen Hauch von Arbeit gesehen. Die Leser erfahren, wie allein leises Singen, Erinnern von Textstücken und das gemeinsame Aufsagen von Dramen oder Opern-Stücken ihnen Zusammenhalt gab. Was bedeuteten diese kleinen Dinge des gemeinsamen „kulturellen Erbes“?

H.J. Fenske: Ich war einerseits wie ein schwankendes Rohr im Winde, auf der anderen Seite wie ein Schwamm, der alles aufgesogen hat, was sich ihm bot. Der Zeitvertreib hat uns gut getan. Die Eintönigkeit überwinden, ihr etwas entgegen setzen, war der Zweck. Die eigene Lage relativiert sich, wenn man „Nabucco“ kennt oder das Buch „Das vergessene Dorf“. Achtung der kleinen Dinge in der Not habe ich gelernt. Die Freiheit hat Fülle.

MB: Wie kam es, dass für Sie als jungen Mann da gerade kleine Handarbeiten mit Nadel und Faden zur Beschäftigung wurden? Ich schätze mal, dass Ihnen die entstandenen wenigen Stickbilder mehr bedeuteten als Ihr ganzes Jugendzimmer.

H.J. Fenske: Vorbilder für Handarbeiten waren meine Oma und meine Mutter. Oft habe ich bei ihnen gesessen und zugesehen. Ganz zum Verdruss meines Vaters. Was überträgt sich da im Unterbewusstsein? Die Produkte, die nach Russland gingen, sind sicher verloren. Aber das vorletzte für VP-Meister Undeutsch mit den Heinzelmännchen zu Köln hätte ich gern zurück. Da so ein Stickbild Arbeit von ca. 6 Wochen mit je 7 Arbeitstagen und 10 Stunden pro Tag bedeutet, ist das schon ein wertvolles Ergebnis. Von den Umständen mal abgesehen.

MB: Gehen wir in die Anfangsjahre der DDR. Sie blieben nach der Staatsgründung weiter inhaftiert, u.a. im thüringischen Untermaßfeld. Eine Szene beschreibt, wie mutig man sich als bekannte Persönlichkeit hat äußern sollen/können/dürfen. Da geht es um Probst Dr. Heinrich Grüber, der 1949 Teile von Sachsenhausen besichtigte. Im Buch ärgern Sie sich, dass er kraftvoller gegen die Bedingungen hätte auftreten sollen. – Hätte er das damals gekonnt? Sogar das Volkskammermitglied Günther Stempel wurde ein Jahr später zu 25 Jahren in Workuta verurteilt, nur weil er gegen die Wahlgesetze war. Was denken Sie heute zum Ärger von damals?

H.J. Fenske: Selbstverständlich hätte man ihn hinterfragen müssen. Das ging dann durch seinen Tod nicht mehr. Bischof Dibelius hat lieber geschwiegen.
Eigentlich ging es mir mehr um eine historische Analogie zur Nazizeit. Dem Schwedischen Roten Kreuz hat man auch nur Theresienstadt gezeigt, Und die Organisation hat sich damit zufrieden gegeben. Oder so gesagt. In jedem Fall missbrauchen Diktaturen integre Personen zu ihren Propagandazwecken. Der Unterschied von Zone 1 zu Zone 2 in Sachsenhausen war zu groß.  

MB: Anfang der 50er kamen Sie frei und wären am liebsten sofort in den Westen gegangen, diese „Republikflucht“ hätte allerdings gesellschaftlich und beruflich Ihre Eltern bedroht, so dass Sie blieben. Wieso war es so schwer oder unmöglich, den Eltern zumindest kleine Details der Gefangenschaft zu vermitteln – vertraulich. Sie hätten ja irgendwie verstanden, dass vielen Unrecht geschah und Sie als Junge in keine großen Kriegsverbrechen verwickelt waren. Wem gegenüber konnten Sie sich öffnen?

H.J. Fenske: Meine Eltern kamen auf die Idee, am besten sei es, wenn wir das alles vergessen und uns gar nicht damit beschäftigen. Ich selbst war so verschlossen, dass ich nicht erzählen konnte und nicht wollte. Die Vorstellungen der anderen Seite von meinem Erleben waren so simpel – wie es eben im Gefängnis ist. Dazu kam der Kontaktverbot. Ich war sehr einsam zu Hause. Welches Zuhause?

MB: Kennen Sie heute noch andere Gefangene, Freunde? Gibt es eine Art Forum der ehemaligen Gefangenen, oder ignoriert man sich und sagt: Jeder hatte sein eigenes Schicksal?

H.J. Fenske: Ich war stets der Jüngste in den unterschiedlichen Gemeinschaften. Viele sind heute tot bzw. schwer krank oder leben in traumatisch bestimmten Lebenssituationen. Es existiert eine Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V. Von der bin ich mal ausgeschlossen worden, weil ich mich nicht um sie, sondern um die jüdischen Belange gekümmert habe.     

MB: Sie gehen vielen geographischen Genauigkeiten aus dem Weg. Das könnte Ausdruck eines abstrakter gemeinten Inhalts sein, aber auch fehlende Identifikation verraten. Sind Sie heimatlos?

H.J. Fenske: Ja, ich bin heimatlos. Mit meinem Geburtsort verbindet mich nichts. Erklären kann ich das nicht. Aber mit den Ortsnamen gehe ich um wie mit den Personennamen. Ich möchte die Anonymität. Ich kann freier umgehen. Das hat etwas mit der Wahl der Romanform zu tun, sonst hätte ich eine Dokumentation geschrieben.

MB: Nun zu einem wichtigen Aspekt, nämlich der pazifistischen Einstellung in der Sprache und Haltung des Buches. Trafen Sie Ihre Entscheidung, sich mit den Tätern und Machthabern zu versöhnen – soweit das geht – als Sie mit einer Klasse 1961 in die Sowjetunion reisten, oder schon vorher?

H.J. Fenske: Verzeihung, Vergebung, Versöhnung sind selbstverständlich gewachsen wie ein zartes Pflänzchen. Ein dominierender Anlass war Tolja. Ein weiteres Mal hat er mir mein Leben gerettet. Das Erlebnis Professor Heintze spielt eine Rolle. Fritz Richter war überzeugter Kommunist. Schon die Einsicht im Lager wirkt, wir sind nicht die Ersten, nicht die Einzigen auf der Welt, die Unrecht erleiden, und wir werden nicht die Letzten sein. Das exemplarischste Beispiel für mich ist die Shoah. Im Children Memorial in Yad Vashem in Jerusalem habe ich am meisten und längsten geweint. Ich spürte eine tiefe Solidarität, eine Schicksalsgemeinschaft. Auch wenn man mir diese Gemeinsamkeiten der beiden Diktaturen im 20. Jahrhundert immer noch nicht abnimmt. Da liegt mein großes Vermächtnis. Alle Opfer politischer Willkür müssen dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder vorkommt.

MB: Da Sie ein sehr persönliches Buch geschrieben haben, hoffe ich, dass Sie auch persönliche Fragen erlauben. Die Haftzeit ging nicht spurlos an Ihnen vorbei und die DDR war nicht der perfekteste Ort für eine therapeutische Aufarbeitung dieser Themen. Fällt es ihnen heute schwer, anderen zu vertrauen – nachdem solch ein bis ins Mark gehender, von Gewalt und Angst geprägter Riss speziell Ihre Jugend formte?

H.J. Fenske: Ich habe in der DDR nie Therapie erlebt. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Der Einfluss von Albert Schweitzer von der Achtung der Kreatur, das Erlebnis eines Geburtsvorganges, Erfahrung, wie leichtsinnig Menschen mit Leben umgehen, spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben. Zusammen mit meiner Einstellung zu Verzeihung, Vergebung, Versöhnung entwickelt sich mein Menschenbild: Der Mensch ist ein einmaliger, unwiederbringlicher, unverwechselbarer Einzelner, aber fehlbar, verführbar und mit Schwächen ausgestattet und doch Gottes Geschöpf und mit der Gabe versehen, Gutes zu tun. Deshalb gehe ich im Umgang mit Menschen zunächst immer von Vertrauen aus.
Siehe auch meine Tätigkeit im Friedenskomitee zur Stasi-Aufarbeitung.

MB: Sie blieben mit ihrer Biographie auch immer „Mode“ für die Staatssicherheit. Unter anderem in Berlin-Hohenschönhausen kann man Führungen durch eines der berühmtesten Stasi-Gefängnisse machen. Dort erzählen einem dann auch ehemalige Häftlinge, dass einige der früheren Wärter und politischen Drangsalierer noch 1-2 Straßen weiter in der Nachbarschaft wohnen. Juckt es Sie nicht in den Fingern, bei solchen Menschen einmal zu Kaffee und Kuchen zu klingeln?

H.J. Fenske: Nein. Manche Menschen bleiben in ihrer moralischen und gesellschaftlichen Entwicklung stehen. Die müssen wir ertragen, bis sie ausgestorben sind. Das gilt für Altnazis wie für Alt-DDRler. Kraft sollte man einsetzen für Prozesse und Menschen, bei denen Aussicht auf Veränderung besteht.

MB: Kommen wir zu schönen Erlebnissen mit Ihren Schülern. Sie berichten, wie Sie zu DDR-Zeiten mit der Schulklasse Äpfel pflückten, Räume malerten oder archäologische Grabungen machten, um die nächste Klassenfahrt bezahlen zu können, sogar über 2-3 Wochen lang in den Ferien! Heute empfinden viele Eltern schon kleinstes Engagement des Lehrers als indiskutable Einmischung in private Erziehung. Konnten Sie solche Aktionen wie damals auch nach der Wende noch mit Schülern bewerkstelligen?

H.J. Fenske: Ja. Ohne die Mithilfe der Eltern wäre ein Projekt wie der jüdische Friedhof in Zehdenick gar nicht möglich gewesen. Aber sie sind im Vorfeld von mir unterrichtet und befragt worden. Das Einverständnis lag vor. Das gilt beispielsweise auch für Klassenfahrten unter Beteiligung und Einbeziehung von Eltern und für das gesamte Theaterspiel. Ohne Zeit- und Arbeitsaufwand von Eltern wäre nichts davon realisierbar gewesen.

MB: An einer Stelle heißt es über Malerarbeiten im Schulhaus: „Und Schülerarbeit wird von Schülern besser geachtet und geschützt. Gutes ist auch ansteckend.“
Glauben Sie heute immer noch an diesen Satz, wo viele den heutigen Kindern absolute Respektlosigkeit, fehlendes Wir-denken und Werteverfall vorwerfen?

H.J. Fenske: Die Bedingungen sind deutlich schwieriger geworden. Die wichtige Aufgabe, das Individuum zu fördern, ist verabsolutiert worden. Das andere Extrem, nur das Kollektiv zählt bis in den Tod, ist genau so einseitig. Es geht um das richtige Maß und um gemeinsames Tun aller am Prozess Beteiligter. Das Einfache, was schwer zu machen ist. Aber wir sind verpflichtet bei Strafe unseres Untergangs, es zu ändern.

MB: Ihr Buch steht dafür, das Vergangene nicht zu vergessen und sich bewusst zu machen, wo wir im Land her kommen. Trotz aller pädagogischen „Innovationen“ der letzten Jahre – einmal klischeehaft gefragt: Wie erreicht und motiviert man Kinder heute für Geschichte, wenn man als Lehrer am Körper keine Knöpfe und einen Bildschirm hat?

H.J. Fenske: Geschichte muss von Anfang an in der Grundschule erlebbar gemacht werden, nicht als theoretisch vermittelte Faktensammlung. Eine der schwierigsten Aufgaben für Kinder sind Raum- und Zeitvorstellungen. Für die Vermittlung und Übung muss Platz sein. Nicht die Sicht der Erwachsenen, für die alles selbstverständlich erscheint, ist maßgebend, sondern die Sicht der Kinder. Sie müssen von ihrem Entwicklungsniveau abgeholt werden. Und Bildungsreichtum auch einer entwickelten Gesellschaft braucht Geld.

MB: Wen möchten Sie mit dem Buch im deutschsprachigen Raum erreichen?

H.J. Fenske: Alle, die neugierig sind und noch staunen können. „Ach, so war das einmal ... wie gut, dass wir es heute anders haben. Doch kann so etwas nicht wieder passieren? Sind wir gefeit vor Verführung, Missbrauch und Hass? Sind wir vielleicht hier und da ein bisschen überheblich?“

MB: Was ist für Sie persönlich der Antrieb, das Buch bekannt zu machen? Sie schreiben ja an einigen Stellen wirklich von „Vermächtnis“ – vielleicht im Hinblick auf Ihren Freund Jörn oder dem Schüler, der sich das Leben nahm, Fritz Richter – oder Ihre Kinder und Enkel?

H.J. Fenske: Ich halte es inzwischen für meine Pflicht, solch ein Dokument, solch ein Schriftstück der Öffentlichkeit zu übergeben. Egal, wann und wie sie es versteht und nutzt. Geschichtswissenschaftler, Therapeuten, Lehrer, Eltern, Jugend, Philanthropen sind gemeint. 

MB: Dieses Jahr werden Sie 80. Bisher haben Sie schon mit oder ohne Schüler Hünengräber ausgegraben, Arbeitseinsätze, Klassenfahrten oder Theateraufführungen jeglicher Art geleitet und vollführt, in Bächen gebadet, einen jüdischen Friedhof aus der Vergessenheit gerettet, sich einen ganzen Fächer von spirituellen Dingen eröffnet und künstlerisch gearbeitet. Was haben Sie noch vor? Doch sicher kein langweiliges Buch über das Wandern im Odenwald?

H.J. Fenske: Ich bin dabei, den 2. Teil von „Eine Stein Zeit Geschichte“ zu schreiben. Denn das Geschehen am Ende des Buches ist über 10 Jahre her. Es ist viel passiert. Die Wirkungsgeschichte ist interessant.

Noch immer geistert ein Stoff in mir, der beschreibt, wie die Gefühlswelt von Menschen aussieht, die aus politischen Gründen zum Tode verurteilt sind und Stunden, Tage, Wochen, Monate die Qual, noch leben zu müssen, mit sich tragen. Doch wer will das lesen und nachempfinden...
Weiterer Stoff: Wie findet das Geschehen in der SBZ/DDR 1945-1956 Eingang in die Lehrbücher der Schulen, in die Ausbildung von Historikern und Lehrern.
Ich arbeite an der Gestaltung eines Denkmals in Löwenberg zum Andenken an eine Geiselerschießung durch die Besatzungsmacht im Mai 1945.
Ein ganz anders Sujet will ich angehen: die Privatinsolvenz einer Ehe.
Malen, wenn es mich treibt. Und Menschen begegnen: denn Leben ist Begegnung.

MB: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch! Alles Gute für Sie!

Fragen: Dr. Carsten Schmidt