Samstag, 25 Mai 2013

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O Berlin, Berlin!

Aus: Tagebücher von Karl August Varnhagen von Ense Band 1. 1861

Sonnabend, den 7. Dezember 1839.

„How weary, stale, flat, and unprofitable,

Seem to me all the uses of this world!“

Dass diese Worte Hamlets mir den ganzen Tag im Kopfe herumgingen, möchte immerhin sein, dass sie aber meiner Stimmung unabweislicher Ausdruck geworden, ist arg und kläglich. In der Tat bin ich nahe daran, mit meinem hiesigen Leben bankrott zu machen. Mit meinem hiesigen, denn die Schuld liegt mehr an Berlin, als an mir selbst. Wie ist der Ort durch bekannte Einflüsse zu Grunde gerichtet, auf wenigstens ein paar Generationen hinaus! Einfacher Wechsel kann hier nicht helfen; es muss erst wieder ein Zwischenspiel von Unglück eintreten, um freien Raum zu schaffen. Der ganze Staat ist von, hieraus angesteckt, mit Schalheit und Mattigkeit, Verdruss und Laugeweile. Humboldt fühlt das auch, und klagt schrecklich darüber, P. ebenso, wiewohl aus fremderen Gesichtspunkten, als Humboldt und ich sie haben, die wir das Alte gekannt. Auch ** kennt den Zustand, Gans kannte ihn, aber sie hatten keine Vergleichspunkte in der Vergangenheit. — Keinerlei Nahrung bringt mir der Tag, immer ohne Ausbeute kehr' ich heim, und aussäen kann ich auch nichts. Politisches Leben ist nicht hier, das gesellige haben sie entartet, das literarische niedergedrückt, die Wissenschaft muss in ihren engsten Schranken wie in Klostermauern leben, der Geschmack ist verdorben, das Theater tief heruntergebracht. Soll uns etwa die schöne Gegend schadlos halten? — O Berlin, Berlin!